
(zur Melodie von die Partei)
Die Partei, die Partei, die hat eine Yacht!
Und Genossen es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der braucht so eine Yacht.
Wer die Menschheit verteidigt,
der hat das Recht,
auf Luxus und Völlerei.
Wer von der Yacht spricht der
ist dumm oder schlecht.
So, gegen leninschen Geist,
wächst, in Wolgast geschweißt,
Die Partei – die Partei – die Yacht der Partei.
Hätte ich einen derartigen Text vor der „Wende“ verfasst, dann wäre das möglicherweise das Ende dieses Blogs gewesen. Aber wieso hätte man im Osten auch über Yachten bloggen sollen – diese bösen kapitalistische Protzkisten. Der Ostbürger war gleich und wenn er ein Boot hatte, dann eins aus dem Osten – am besten alle das Gleiche. Für Erich galt das natürlich nicht, denn als geborener Saarländer durfte er natürlich ein etwas größeres Schiff haben.
Die Recherche für diesen Artikel gestaltete sich etwas schwierig, es gibt zwar einige verfügbare Quellen, allerdings sind selbige streckenweise so von Widersprüchen und Ideologien durchtränkt, dass man ihnen kaum Glauben schenken kann. Ich bin also statistisch vorgegangen. Je häufiger ein Fakt erwähnt wurde, umso wahrscheinlicher erschien er mir. So blieb mir auch nix anderes übrig, als mich an den Fakten entlang zu hangeln und die Geschichten und Legenden, die sich um die „letzte deutsche Staatsyacht“ ranken, weitestgehend außen vor zu lassen.
Erichs Staatsyacht, die „Ostseeland“, war nichts, worauf ein guter Sozialist stolz war. Sie war fast sowas wie ein kleines Geheimnis. So wundert es nicht, dass es keinen Staatsakt, keine Medienberichte und noch nicht einmal eine Schiffstaufe gab, als die Yacht am 30. Juni 1971 zu Wasser gelassen wurde. Basierend auf den Plänen eines Minensuchbootes der Kondorklasse (MSR-lang), wurde sie bei der Peene-Werft in Wolgast gebaut. Der ursprüngliche Entwurf wurde zu Gunsten eines Sonnendecks um 5 Meter verlängert und misst nun stolze 61 m Länge, bei einer Breite von nur 8 m.
Aufgrund von zwei Dieselmotoren aus russischer Produktion (M40 von Bryansk), mit jeweils 2500 PS, erreichte die Ostseeland eine Reisegeschwindigkeit von 18 kn. Im Wesentlichen hat man sich bei der Ausrüstung der Yacht an Ostprodukte gehalten, bis auf Kleinteile waren nur die britische Schlingerdämpfungsanlage und die weiße Farbe aus westlicher Produktion. Immerhin 15 Millionen volkseigene DDR-Mark soll die Yacht seinerzeit gekostet haben.
… Fortsetzung im 2. Teil!