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Meilensteine im Yachtbau

Wally WHY – der Traum von der eigenen Insel!

Sicherlich ist dieser Entwurf nicht mehr ganz neu, aber ich habe noch nicht darüber geschrieben und das vorliegende Video war mir Grund genug, euch was von der Wally WHY zu erzählen. Ganz tau frisch ist auch das Video nicht mehr, denn die Kooperation zwischen Wally und Hermès ist meines Wissens mittlerweile hinfällig und der französische Modekonzern beschränkt sich wieder auf seine Kernkompetenzen, nachdem man festgestellt hatte, das man zu wenig zum Projekt beisteuern kann. Der etwas ungewöhnliche Rumpf ist auch nicht mehr so ganz  neu, aber das gibt man bei Wally auch ganz offen zu, denn das Patent für diese Rumpfform ist mittlerweile 25 Jahre alt und geht auf den norwegischen Schiffbauingenieur Roar Ramde zurück! Das Video zeigt ein Ramform Schiff von Petroleum Geo Services bei der Arbeit.

So ähnlich könnte die schwimmende Insel von Wally also mal in Fahrt aussehen, sollte es den Monegassen gelingen, dafür einen Käufer zu finden. Es gibt definitiv keine andere Werft auf dieser Erde, der ich auch nur ansatzweise zutrauen würde, so ein Schiff wirklich an den Mann zu bringen, außer eben Wally. Luca Bassanis Erfolg begründet sich ja schlussendlich darauf, im Yachtbau neue Wege zu beschreiten. Wer sich die Mühe macht, ein “Full-scale Mock-up”, also ein 1:1 Modell des Schiffes zu bauen, der hat den Erfolg auch irgendwie verdient.

Film zum Neubau der “Haspa Hamburg”

Der Film begleitet die neue Vereinsyacht des Hamburgischen Verein Seefahrt e.V. vom Entwurfsgedanken, über den Bau in Neuseeland, den ersten Probeschlägen bis hin zur Taufe am Mittwoch im Hamburger Sandtorhafen. Neben beeindruckenden Bildern liefert dieser Clip Kommentare und Interviews von vielen beteiligten Personen und verdeutlicht dem Zuschauer, wie viel arbeit in so ein Projekt fließt, bis das fertige Schiff endlich gesegelt werden kann.

“America” – die Legende lebt! Teil 2

… Fortsetzung von “America” die Legende lebt! Teil1

Doch der Faszination America konnte sich die Welt nicht lange entziehen und so fiel dem ebenso legendären Konstruktuer Olin Stephens († 13. September 2008 ), die ehrenvolle Aufgabe zu, den schnellen Schoner möglichst nah am Original erneut zu konstruieren. Der Stapellauf der „neuen“ America fand am 3. Mai 1987 bei der Werft Goudy & Stevens in den USA statt. Dieser Nachbau der America führte 1996 in Savannah die Eröffnungsparade der Segler bei den 26. Olympischen Spielen (Atlanta) an.
Der Grund für diese Geschichtsstunde ist allerdings ein weiterer Nachbau! Bereits seit letztem Jahr liegt im Rostocker Stadthafen ein Schiff, das aufgrund der charakteristisch nach Achtern geneigten Masten, sofort als Nachbau der America zu identifizieren war. Die „Skythia“, wie der schlanke Stahlschoner heißt, wurde beim Bootsbauer „Nautica“ in Varna (Bulgarien) gebaut (2003-2005).
Von Außen ist die Skythia eine Schönheit, der nichts vom Glanz ihres Vorbildes fehlt, auch die Aufteilung des Innenraums erinnert stark an die Yachten der „belle Époque“ des Segelsports. Einzig bei der Verarbeitung der Hölzer im Innenraum waren die bulgarischen Schiffbauer nicht sonderlich detailverliebt, grobe Spaltmaße und Bauschaum werden den aktuellen Eigner (ein Hotelier aus Österreich) wohl zu einem Refit, der noch jungen Dame zwingen, bevor sie zahlenden Gästen ihr Geschwindigkeitspotential offenbaren kann.
Trotz der Tatsache, dass die Skythia praktisch vor meiner Nase liegt, war es nicht so leicht einen Ansprechpartner zu finden, der mir einen Rundgang über das Schiff ermöglicht. Erst als der nette Herr Peters, ein Kapitän im Ruhestand, das Schiff unter seine Fittiche nahm, war wieder Leben an Bord zu beobachten. In Begleitung von unserem Kapitän Johannes und der Kamera war ich letzte Woche an Bord. Die Skythia geht in den nächsten Wochen in die Werft, um die Außenarbeiten abzuschließen und die Segel anzuschlagen. Wenn die Dinge günstig stehen und alle beteiligten Wort halten, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr hier in absehbarer Zeit einen kleinen Film sehen werdet, der den schönen Schoner unter Segeln zeigen wird. Angenehmer Nebeneffekt – ich werde zum drehen natürlich mit an Bord sein und freue mich darauf wie Bolle!

www.skythia-rostock.de


Die letzte deutsche Staatsyacht! Erichs Ostseeland – Teil 2

Zum 1. Teil des Artikels

Glaubt man den Berichten eines ehemaligen Offiziers der Volksmarine, der ausführlich im NVA-Forum (erschreckenderweise gibt es so etwas tatsächlich) über seine Zeit auf der Ostseeland berichtet, war der Aktionsradius der Yacht stark auf die Gewässer der DDR beschränkt. Es wird nur von einer einzigen Dienstreise nach Polen berichtet. Die nur etwa 70 Seetage im Jahr sind wohl darauf zurück zu führen, dass Erich kein großer Freund der Seefahrt war und stark zur Seekrankheit neigte. Den Rest der Zeit verbrachte die Yacht im Hafen von Rostock. Für die Ortskundigen, sie lag im Breitling.

Wie es sich für eine echte Stasi- … ähm Staatsyacht gehört, verfügte die Ostseeland über eine eigene Abhörzentrale. Man war also stets darüber Informiert, was Gäste der Yacht, wie z.b. Fidel Castro, so trieben. Zur Stammbesatzung gehörten etwa 25 Mann Crew und bis zu 16 Gäste bei Mehrtagesfahrten oder 35 bei Tagesfahrten. Genutzt wurde das Schiff zur Beobachtung von Flottenmanövern, sowie für Lustfahrten mit Staatsgästen bzw. Partei- und Staatsfunktionären. Im Kriegsfall wäre die Yacht zum Lazarettschiff umgebaut wurden.

Nach der „Außerdienststellung“/Wende wurde die Yacht  an einen Eigner verkauft, dessen Identität nicht so ganz klar ist. Fakt ist, sie wurde unter Maltesischer Flagge betrieben und in den Hafen von Kopenhagen verlegt. In selbigem lag sie dann bis zur Zwangsversteigerung am 1. Mai 1998. Als Mindestgebot wurden 26.000 DM aufgerufen – was den über die Jahre  aufgelaufenen Liegegebühren entsprach! Den Zuschlag erhielt ein türkischer Kaufmann mit Namen Senol Yegin für 313.000 DM. Sie wurde daraufhin nach Istanbul verlegt.  In der Folgezeit sollte die „Aniara“, wie sie damals hieß, einem 5 Millionen Mark teuren Refit unterzogen werden, um unter dem Label Blue-Marlin-Charter Ostalgie-Kreuzfahrten zu ermöglichen. Dieses Projekt scheiterte aber an finanziellen Schwierigkeiten. Wie weit dieses Projekt und das Refit zum Zeitpunkt des Scheiterns bereits vorangeschritten war, vermag ich nicht zu sagen. Die Bilder der „Falcon“, wie sie wohl heute heißt, sprechen aber nicht unbedingt für ein umfangreiches Refit.

Das letzte Mal tauchte die „letzte Deutsche Staatsyacht“ im Jahre 2005 in der öffentlichen Wahrnehmung auf, als sie über einen Hamburger Makler auf gebrauchtboote.de angeboten und für angeblich 700.000 Euro an einen Käufer aus Dubai verkauft wurde. Selbiger lies im Nachgang verlauten, dass ihn die Geschichte des Schiffs nicht interessiere und er sie umbauen werde.

… sowie es etwas neues gibt setze ich diesen Artikel fort!

Die Bilder wurde mir freundlicherweise von Jukka Koskimies zur Verfügung gestellt.

Die letzte deutsche Staatsyacht! Erichs Ostseeland!

(zur Melodie von die Partei)

Die Partei, die Partei, die hat eine Yacht!

Und Genossen es bleibe dabei;

Denn wer kämpft für das Recht,

Der braucht so eine Yacht.

Wer die Menschheit verteidigt,

der hat das Recht,

auf Luxus und Völlerei.

Wer von der Yacht spricht der

ist dumm oder schlecht.

So, gegen leninschen Geist,

wächst, in Wolgast geschweißt,

Die Partei – die Partei – die Yacht der Partei.

Hätte ich einen derartigen Text vor der „Wende“ verfasst, dann wäre das möglicherweise das Ende dieses Blogs gewesen. Aber wieso hätte man im Osten auch über Yachten bloggen sollen – diese bösen kapitalistische Protzkisten. Der Ostbürger war gleich und wenn er ein Boot hatte, dann eins aus dem Osten – am besten alle das Gleiche. Für Erich galt das natürlich nicht, denn als geborener Saarländer durfte er natürlich ein etwas größeres Schiff haben.

Die Recherche für diesen Artikel gestaltete sich etwas schwierig, es gibt zwar einige verfügbare Quellen, allerdings sind selbige streckenweise so von Widersprüchen und Ideologien durchtränkt, dass man ihnen kaum Glauben schenken kann. Ich bin also statistisch vorgegangen. Je häufiger ein Fakt erwähnt wurde, umso wahrscheinlicher erschien er mir. So blieb mir auch nix anderes übrig, als mich an den Fakten entlang zu hangeln und die Geschichten und Legenden, die sich um die „letzte deutsche Staatsyacht“ ranken, weitestgehend außen vor zu lassen.

Erichs Staatsyacht, die „Ostseeland“, war nichts, worauf ein guter Sozialist stolz war. Sie war fast sowas wie ein kleines Geheimnis. So wundert es nicht, dass es keinen Staatsakt, keine Medienberichte und noch nicht einmal eine Schiffstaufe gab, als die Yacht am 30. Juni 1971 zu Wasser gelassen wurde. Basierend auf den Plänen eines Minensuchbootes der Kondorklasse (MSR-lang), wurde sie bei der Peene-Werft in Wolgast gebaut. Der ursprüngliche Entwurf wurde zu Gunsten eines Sonnendecks um 5 Meter verlängert und misst nun stolze 61 m Länge, bei einer Breite von nur 8 m.

Aufgrund von zwei Dieselmotoren aus russischer Produktion (M40 von Bryansk), mit jeweils 2500 PS, erreichte die Ostseeland eine Reisegeschwindigkeit von 18 kn. Im Wesentlichen hat man sich bei der Ausrüstung der Yacht an Ostprodukte gehalten, bis auf Kleinteile waren nur die britische Schlingerdämpfungsanlage und die weiße Farbe aus westlicher Produktion. Immerhin 15 Millionen volkseigene DDR-Mark soll die Yacht seinerzeit gekostet haben.

… Fortsetzung im 2. Teil!

Meilensteine im Yachtbau – Teil 4. SWATH – Yachten!

Ich gebe es zu, ich habe einen Febel für „komische“ Yachten. Yachten, die irgendwie anders sind. Yachten, denen man die Experimentierfreudigkeit der Eigner ansieht. Ich habe auf diesem Blog bereits Lobreden über Jim Clarks segelnden Computer oder die X-Bow Trendsetter geschrieben. Natürlich ist nicht jede Neuerung automatisch etwas Gutes. Die als Proa gestaltete „Asean Lady“ würde ich aus ästhetischem Grund nicht in meine persönliche Liste von Traumschiffen aufnehmen.

Kommen wir nun also zu einem weiteren Rumpf, der kürzlich Einzug in die Yachtbranche gehalten hat, dem SWATH Rumpf. Dieses Rumpfkonzept ist mir schon länger bekannt, denn es konnte erfolgreich in der Berufsschifffahrt eingesetzt werden. Leider zeigt das Prinzip gerade hier seine größten Schwächen, weshalb sich für mich immer die Frage stellte, wann es im Yachtbau endlich Anwendung findet.  Wie soll ich sagen – mein Flehen wurde erhört =)

Aber ersteimal zur grauen Theorie und Geschichte:

SWATH steht für: „Small Waterplane Area Twin Hull“ und wurde 1938 von Frederick George Creed der britischen Marine vorgestellt. 1946 wurde seine Entwicklung dann amtlich anerkannt und er bekam ein britisches Patent. Hauptmerkmal von SWATH Schiffen sind zwei torpedoförmige Autriebskörper, die sich unterhalb der Wasseroberlfäche befinden und nur durch dünne Stege mit der Plattform verbunden sind. Diese Bausweise ist noch am ehesten mit der von Katamaran vergleichbar, was auch zu der Bezeichnung „semi submerged catamaran“ führte.

Der Vorteil dieses Systems ist, dass SWATH Schiffe auch bei rauer See sehr ruhig im Wasser liegen. Die Minimierung der Vertikalbewegung des Schiffes ist auf die Tatsache zurück zu führen, dass die Amplituden der Wasserwellen exponentiell mit der Tiefe abnehmen. Das dieser Fakt gerade in der Yachtindustrie von Vorteilen ist, da er Seekrankheit nahezu verhindern kann, dürfte einleuchten.

Leider hat jede Medaille zwei Seiten und so ist auch die SWATH-Technologie nicht über alle Zweifel erhaben. So verhält sich das ganze System im Wasser wie eine sehr weiche Feder. Wasserwellen werden  problemlos kompensiert, aber Impulse, die vom Schiff selbst ausgehen, schlagen sich dafür entsprechend stark auf die Schiffsbewegung nieder ( das war jetzt der Versuch das Problem sehr anschaulich zu beschreiben ). Wenn der Führer eines SWATH – Schiffes also den Hebel auf den Tisch legt oder stark Ruder legt, dann reagieren diese Rümpfe entsprechend stark. Natürlich kann diesem Problem in Fahrt mit aktiv gesteuerten Flossen begegnet werden. Im folgenden Video sind diese Schiffsbewegungen sehr gut zu sehen, leider spricht der Mann weder Deutsch noch Englisch, aber darauf kommt es auch gerade nicht an:

Aufgrund des Archimedischen Prinzips ist der Auftrieb bei geringem im Wasser befindlichem Volumen natürlich nicht allzu groß, eben auf das Gewicht des Schiffes angepasst. Das schlägt sich natürlich negativ auf die Beladungseigenschaften nieder. Große Variabilität in Bezug auf die Zuladung kann man daher von einem SWATH-Schiff nicht erwarten, aber wer  will in seinem Salon auch Kohle und auf seinem Helipad einen Container transportieren. In gewissen Grenzen kann diesem Problem natürlich mit Ballasttanks begegnet werden. Zusammengefasst kann man also sagen, dass ein SWATH-Schiff niemals die Eierlegende-Wollmilchsau sein kann, aber die angepeilten Aufgaben hervorragend erfüllt werden und darum geht es ja gerade bei Yachten.

Die Firma Abeking & Rasmussen hat kürzlich die erste ( ernst zunehmende ) private SWATH Yacht gebaut. Nach Anfrage, ob man mir Informationen und Bilder über diese Yacht zukommen lassen könnte, bekam ich nach einiger Zeit eine umfangreich gefüllte Mappe von der Werft mit einem freundlich Brief, der mich darauf hinwies, dass man mir natürlich nicht allzu viel sagen kann. Klar – die Branche lebt schließlich von der Diskretion. Abeking & Rasmussen muss hier allerdings lobend hervorgehoben werden, denn wie ich  während meiner Recherchen zu anderen Artikeln leider feststellen musste, bekommen sehr viele Werften eine anständige Kommunikation nicht auf die Reihe.

Was in der Mappe, welche ich bekommen habe drin stand? Davon werde ich im zweiten Teil zu diesem Thema berichten.

Bildquelle: www.wikipedia.de

Meilensteine im Yachtbau – Teil 3 – Asean Lady

Ich habe vor einiger Zeit über den X-Bow berichtet, eine Bugform, die es Schiffen ermöglichen soll besser durch Wellen zu schneiden und damit den ungeliebten Fahrstuhleffekt zu minimieren. Ein weiterer Ansatz bequemer reisen zu können, als es andere Yachteigner tun, ist die Konstruktion des Rumpfes als Proa. Diese Rumpfform ist auf die Auslegekanus der polynesischen Ureinwohner zurückzuführen. Anders als bei Katamaranen sind bei der Proa die Rümpfe ungleich groß. Man unterscheidet zwischen der polynesischen (fliegenden) Proa und der atlantischen Proa, je nach dem ob der kleinere Rumpf in Luv oder Lee gefahren wird. Da durch den Ausleger der Schwerpunkt des Bootes optimiert verlagert wird, können mit einem derartigen Rumpf unter Segeln höhere Geschwindigkeiten erreicht werden als bei einem Einrumpf. Für die polynesischen Eingeborenen war sicher auch die Kentersicherheit in der Brandungszone ein Grund sich für die Auslegekajaks zu entscheiden.

Der CEO der Chinesischen Werft Yantai Raffles, Brian Chang, wagte den Versuch sich eine Motoryacht auf Basis des Proa Rumpfes von seiner Werft bauen zu lassen. Chang wollte eine Yacht, die auch rauem Wetter widerstehen kann. Mit dem schadlosen Überstehen des schweren Tsunami in Phuket 2004, hat die Asean Lady die Hoffnung von Brian Chang wohl bestätigt. Zu den technischen Details: die Asean Lady ist 88 m lang, 21.2 m breit und wird von nur einer 2000 PS starken Maschine sowie einem 600 PS Bugstrahlruder angetrieben. Mit diesen erreicht die Yacht bis zu 15 Knoten Marschfahrt und hat eine durchschnittliche Reichweite von 10000 Seemeilen. Auf der von Meer & Yachten veröffentlichten Liste der 100 längsten Motoryachten vom Mai 2009 nimmt die Asean Lady den 29. Platz ein. Mag diese Yacht auch Vorteile in ihrer Seegängigkeit haben, so würde ich mich schon aus ästhetischen Gründen gegen diese Art der Rumpfform entscheiden.

Bildquelle: http://yachts.monacoeye.com/index.php

Christina O – Teil 6 – Die Legende lebt!

„Christina“ die Mutter aller Superyachten – 1. Teil

Christina O – Teil 2 ; Christina O – Teil 3

Christina O – Teil 4 ; Christina O – Teil 5

Im Anschluss an die Bibliothek befindet sich ein Raum dessen Funktion schwer zu beschreiben ist, im englischen gerne als „show lounge“ beschrieben, möchte ich diesen Raum als einer Art Auditorium mit Panoramafenster bezeichnen. Von einer großen und mehreren kleinen Sitzgruppen aus wird einem der Blick auf eine kleine Bühne und durch die dahinter liegenden Panoramafenster über den Bug der Yacht nach draußen freigegeben. In diesem Raum wurden zwei der glamourösesten Hochzeiten des 20. Jahrhunderts gefeiert. Nicht nur das hier 1968 Onassis seine 2. Ehe mit Jacky Kennedy feierte, auch Fürst Rainier Grimaldi von Monaco feierte hier den Tag an dem er aus der bürgerlichen Tochter eines Bauunternehmers Namens Kelly die Fürstin Gracia Patricia machte, aka Grace Kelly! Seit dem Refit kann man aus diesem elegant eingerichteten Raum per Knopfdruck ein modernes Kino machen, das selbst verwöhnten Cineasten in Bild- und Tonqualität genügen dürfte.

Im Außenbereich des Promenadendeck findet sich eine Open Air Bar, das Jacuzzi Deck sowie der Helikopterlandeplatz. Dieser Landeplatz ist nicht unbedingt eine Neuerung an Bord, denn bereits Onassis hatte ein Wasserflugzeug an Deck der Christina.

Bemüht man sich durch das Atrium noch ein Deck weiter nach oben landet man auf dem Brückendeck, wie der Name schon sagt befinden sich hier sowohl der Privat- als auch der Arbeitsbereich des Kapitäns. Onassis, der immer großen Respekt vor seinen Kapitänen hatte, vor allem vor dem bereits zitierten ersten deutschen Kapitän, ließ seine Suite direkt neben der des Kapitäns einrichten.

Die 736 m² große Onassis Suite besteht aus einem Schlafzimmer mit Kingsize Bett, einem Arbeitszimmer und einem Badezimmer. Ausgestattet mit handgefertigten italienischen Möbeln, Baccarat Leuchtern, einem in Onyx eingefassten Kamin und dem grandiosen Panoramablick, bietet die Onassis Lounge das Beste was Christina O in Bezug auf Luxus und Wohnkomfort zu bieten hat.

Auf dem obersten Deck, dem Kompass Deck, befindet sich noch eine 1500 m² große Teakfläche zum Sonnenbaden sowie die Galaxy Bar, eine open-air Champagner Lounge. Des Weiteren befindet sich hier ein Kran, dessen Aufgabe es ist die 2 sich hier befindlichen Holztender zu Wasser zu lassen. Auch 2 zu den Tendern zusätzliche Rettungsboote finden auf dem Kompass Deck ihren Platz.

Natürlich steht die Christina betuchten Gästen zum chartern zu Verfügung:

bis zu 12 Gäste, 45.000 € pro Tag

13 – 24 Gäste, 55.000 € pro Tag

24 – 30 Gäste, 65.000 € pro Tag

Trotz dieser moderaten Preise ist die Christina O ein beständig nachgefragtes Schiff. Der bereits erwähnte Richard Burton, gern gesehener Gast in frühen Tagen, sagte einst: “I don’t think there is a man or woman on earth who would not be seduced by the sheer shameless narcissism of this boat.” Damals wie heute können sich die Schönen und vor allem Reichen dieser Erde dem Charm der Christina O nicht entziehen und so ist es kein Wunder, dass die aktuelle Liste prominenter Gäste ähnlichen Glamour versprüht wie in der Vergangenheit. Die “neue” bringt es bereits auf Namen wie: Sean “P.Diddy” Combs, Donatella Versace, Tommy Hilfiger, Englands Prinz Andrew mit Ex-Ehefrau Sarah Ferguson sowie Madonna und Johnny Depp.

John Lassiter, Autor eines Buches über Aristoteles Onassis schreibt zum Abschluss eines Artikels (auf www.powerandmotoryacht.com) über die Christina O: „Christina O lives up to her legendary past in modern splendor. Somehow, one can’t help but wonder if there is a smile in the heavens from “an old Greek sailor,” satisfied that his legend lives…”

Bildquellen: www.powerandmotoryacht.com / www.yachting-greece.com

Christina O – Teil 5

„Christina“ die Mutter aller Superyachten – 1. Teil

Christina O – Teil 2 ; Christina O – Teil 3 ; Christina O – Teil 4

Der wahrscheinlich bekanntest Ort auf der Christina O ist zweifellos die „Ari’s Bar“. Selbstverständlich wurde hier auf den Erhalt der historischen Substanz besonders viel Wert gelegt. Winston Churchill, der als Pensionär oft und gern Gast auf der Christina war, traf hier 1957 zum ersten Mal auf den damals noch jungen John F. Kennedy. Die Bar an sich wurde aus dem Holz einer spanischen Gallone gebaut, die Fußtritte und Armstützen bestehen aus polierten Wahlzähnen. Neben allerlei nautischen Sammlerstücken wie Harpunen, Seekisten und Schiffsmodellen bietet die Bar ein weiteres absolutes Highlight. Man sagt Onassis wurde nicht müde seine weiblichen Gäste, die er gern in diesem Raum empfing, auf die Bezüge seine Barhocker hinzuweisen: „Excuse me, Madame, did you know you are Sitting on the worlds largest ….!“ Beim Refit der Bar verzichtete man aber darauf die Barhocker wieder mit der Vorhaut von Walpenisen zu beziehen, feinstes Leder genügte dem neuen Eigner.

Nicht weniger glamourös ging es in der an Backbord, gegenüber der Ari’s Bar, gelegenen Lapis Lounge zu. Man sagt, dass vor allem Elizabeth Taylor und Richard Burton viele Stunden vor dem in Lapis Lazuli eingefassten Kamin verbrachten. Weniger exzentrisch, aber für das Flair der Yacht genauso entscheidend, sind die Originale von Le Corbusier, Renoir und Chirico, die sich eingebettet im Eicheninterieur an den Wänden der Lapis Lounge befinden.

Geht man von der Lapis Lounge in Richtung Vorschiff, vorbei am Speisesaal und der Callas Lounge, gelangt man irgendwann zu den Gästekabinen. Jede der Kabinen mit einer Fläche zwischen 150 m² und 236 m² wurde nach einer griechischen Insel benannt. Das Flair dieser Kabinen liegt wahrscheinlich nicht in ihrer Größe, den komplett neu eingerichteten Bädern oder der technischen Ausstattung, denn die findet man auf anderen Yachten auch. Was die Kabinen der Christina O einzigartig macht sind die exklusiven Vormieter! Neben den bereits erwähnten berühmten Gästen, möchte ich die Liste an dieser Stelle um Namen wie: Marilyn Monroe, Eva Peron, Greta Garbor, John Wayne, Begum Aga Kahn, John D. Rockefeller und Frank Sinatra erweitern.

Benutzt man von hier aus den aus Onyx und Silber bestehenden Handlauf der Wendeltreppe im Atrium gelangt man auf das Promenaden Deck. Im vorderen Teil dieser Ebene befinden sich die Bibliothek und die „Show Lounge“.

Der Platz, an dem sich heute die elegante Bibliothek befindet, war der einstige Speisesaal der Christina. Onassis benutzte diesen Speisesaal oft für Besprechungen mit seinen Geschäftspartnern. Hier wurden Geschäfte mit diversen Industriemagnaten wie J. Paul Getty, King Faud oder der saudischen Königsfamilie unter Dach und Fach gebracht und damit wahrscheinlich an manchen Tagen mehr Geld geschoben als in vergleichbarer Zeit an den Börsen dieser Erde.

Bildquelle: www.elmarine.com

Christina O – Teil 6 – Die Legende lebt!

 

Christina O – Teil 4

„Christina“ die Mutter aller Superyachten – 1. Teil

Christina O – Teil 2

Christina O – Teil 3

Der neue Eigner John Paul Papanicolaou verstand es, sein Wissen und seine Kontakte in die maritime Industrie geschickt zu nutzen und ein exzellentes Team von Fachleuten um sich zu scharen. Was auch definitiv von Nöten war, denn schon zu Beginn der Arbeiten registrierten alle Beteiligten, dass es sich hier wahrscheinlich um das teuerste Refit aller Zeiten handeln würde. Mit den Arbeiten betraut wurde die Kroatische Werft Viktor Lenac, die auch für das Refit der „Sea Cloud “ (der je nach Definition, größten Segelyacht der Erde) im Jahre 2003 verantwortlich war.

Ziel des Projektes war es, die arg in Mittleidenschaft gezogene Substanz der Yacht zu retten, um sie beim Wiederaufbau vor allem auch technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Die Schwierigkeit lag dabei sicher auf der Tatsache, dass das Esprit der Yacht, welches Sie über die Jahrzehnte erlangt hatte, erhalten werden musste. Das erste Bestandsgutachten vor dem Refit ergab, dass 65 Tonnen Stahl nicht mehr zu retten waren und ersetzt werden sollten. Im Trockendock angekommen korrigierte man die anfängliche Annahme dann sehr schnell. In Summe sollten es 650 Tonnen Stahl werden, die komplett ersetzt werden mussten. Ähnlich verhält es sich da natürlich bei der verbauten Technik, es wurden 90 km Kabel und 140 Tonnen Rohre neu verlegt. Die originalen Dampfmaschinen von 1943 wurden entfernt und durch zwei MAN Dieselmaschinen und drei 3 MAN Generatoren ersetzt. Mit diesen erreicht die „Christina O“, wie sie seit dem Refit heißt, eine Reisegeschwindigkeit von 18 kn und eine Höchstgeschwindigkeit von 22 kn ( vorher 14 kn Reisegeschwindigkeit und 24 kn Höchstgeschwindigkeit ). Der durch die neuen Maschinen gewonnen Platz ( Quellen vergleichen ihn mit einem 3 geschossigen Stadthaus ), wurde für neue Kabinen und einen 40 Gäste fassenden Speisesaal genutzt. Das komplette Refit inklusive Innenausbau und Einreichtung dauerte nur 16 Monate, in denen 1,2 Millionen Arbeitsstunden und Gesamtkosten von etwas über 50 Millionen Dollar zusammen kamen.

Der neu entstandene Speisesaal auf dem Hauptdeck wurde, so wie es der ehemalige Eigner wohl auch getan hätte, mit dem Besten und Teuersten ausgestattet was die Welt des Prunks zu bieten hat. An den Wänden befinden sich Lampen aus Baccarat Kristall, das Porzellan stammt von „Bernardaud of Limoges“, bei dem Kristallgläsern handelt es sich um Waterford und das Silber stammt von Ercuis and St. Hillaire aus Paris.

Ebenfalls auf dem Hauptdeck befindet sich das Musikzimmer mit Flügel und mehreren Sitzecken. In besagter „Callas Lounge“ befindet sich eine Sammlung verschiedener Erinnerungsstücke, die auf das Leben der Maria Callas verweisen, inklusive ihrer einzigen Goldenen Schallplatte. Für Gäste mit Bewegungsdrang wurde auf demselben Deck ein Fitness- und Sportbereich eingerichtet, die Entspannungssuchenden kommen im Spabereich und den Massageräumen auf ihre Kosten. Der Weg im Bademantel, von der Massageliege zum Kleiderschrank, wurde für die meisten Gäste kurz gehalten, so befinden sich allein auf dem Hauptdeck 10 Gäste Kabinen. Eigner und Gästen der 8 Kabinen ein Deck tiefer wird seit dem Refit der Weg zu den Kabinen durch Fahrstühle erleichtert.

Eines der größten Highlights dieser Yacht, und zudem ein Beweis für die unermessliche Prunksucht die Herr Onassis an den Tag gelegt hat, ist zweifellos der Pool auf dem Achterschiff. Auf dem Boden des bronzeumrandeten Pools befindet sich ein aufwendiges Mosaik aus den Ruinen des Palastes von Knossos auf Kreta. Solche ein Prachtstück hinter bewegtem Wasser zu verstecken wäre Verschwendung gewesen und so wurde der Boden des Pools mit einer Hydraulikanlage versehen, die es ermöglicht den Boden per Knopfdruck anzuheben und zur Tanzfläche zu machen. Neben diesem „gefliesten“ Bereich sorgt natürlich feinstes Teak in diesem Bereich für die nötige Bodenhaftung!

Bildquellen: www.powerandmotoryacht.com / www.yachting-greece.com

Christina O – Teil 5