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Americas Cup

AC World Series – ein Rückblick

© ACEA 2012/ Photo Gilles Martin-Raget

Als Aufwärmübung für den 34. America’s Cup, der auf 22 Meter langen Katamaranen mit Flügel ausgetragen werden soll, wurde die World Series ins Leben gerufen, um mit ähnlichen, aber nur halb so grossen Booten erste Erfahrungen zu sammeln.

Zuerst waren Fans und Journalisten skeptisch, aber die America`s Cup World Series hat sich schnell an der Spitze der professionellen Inshore-Serien etabliert. Der Film blickt zurück auf die erste Saison, die in Newport zu Ende ging.

BMW trennt sich von Oracle!

An dieser Stelle wird keine sachliche Berichterstattung stattfinden – denn dafür freu ich mich zu sehr! Ja es ist Schadenfreude. Alinghi, Team Origin und die relikte des United Internet Team Germany  haben den Cup bereits abgesagt. Match Race Star Ben Ainslie wetterte in einem Interview, dass die Yacht treffenden mit “Eine ganze Generation betrogen” betitelte, ebenfalls vor einigen Wochen gegen das US-Syndikat. Es rumort also gewaltig gegen das neue Cup-Format. Prinzipiell bin ich absolut kein Gegner der Katamarane und der Flügel – im Gegenteil! Ich mag aber einfach die Methoden nicht mit denen ein Larry Ellison seine Ziele erreicht.

Ein umfangreicher Bericht im Spiegel gibt einige Einblicke in das Leben des Egomanen. Unter anderem wird hier auch die Taktik beschrieben, die uns aus dem Segelsport gut bekannt ist, dass er seine Gegner vor Gericht mürbe macht und den Streit auf eine persönliche Ebene hebt.

Ganz besonders interessant finde ich die Erwähnung der Titel seiner Biographien.

Zitiere:“Everyone else must fail” lautet der Titel einer der Biografien, die über Ellison publiziert wurden, “Softwar” ein weiterer. Und dann natürlich “The Difference Between God and Larry Ellison”. Worin der Unterschied besteht, verrät der Autor bereits auf dem Cover: “God Doesn’t Think He’s Larry Ellison”, Gott glaubt nicht, er sei Larry Ellison.”

Link zum Artikel

Die eben bei BMW erschienene Pressemitteilung dürfte selbst ihm ein wenig das Fest versauen.

Darin heißt es:

BMW beendet zum Jahresende seine langjährige Partnerschaft mit ORACLE Racing und wird künftig nicht mehr im America’s Cup vertreten sein. Darauf haben sich beide Partner geeinigt. BMW und ORACLE Racing traten 2002 mit ehrgeizigen Zielen an und schlossen ihre gemeinsame Mission mit dem größtmöglichen Erfolg ab: dem Sieg beim America’s Cup.

Gerade gestern habe ich ein Interview mit Thomas Hahn gelesen, einem der Ingenieure die den Flügel konstruiert haben und BMW hat schon einiges an Technologie und intelligenten Köpfen zum Erfolg beigetragen. Vielleicht ist die AC72 Klasse deshalb auch nicht so interessant für die Bayern, da der Wettkampf weniger in Ingenieurbüros ausgetragen wird, als beim letzten Cup.

BMW beendet damit ja nicht nur die Partnerschaft mit Oracle, sondern wird “wird künftig nicht mehr im America’s Cup vertreten sein” … schade für Schümi – die fallen als Sponsor für für seine hochfliegenden Pläne schon mal raus. Die Sportler aus anderen Bootsklassen seine darauf hingewiesen, dass bei BMW im nächsten Jahr sicher einiges mehr an Sponsorengeld zu holen sein wird.

Der America’s Cup – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!

Da ich Montag weder Zeit noch Lust (kommt vor) hatte, mich um Yachtblick zu kümmern, habe ich nichts über die Bekanntgabe der Eckdaten des 34. AC durch die Ego-Combo Coutts/Ellison geschrieben. Auch jetzt ist das mehr eine Sache der Vollständigkeit, denn irgendwie mag ich das Thema nicht mehr so richtig – hab mein ganzes Pulver wohl beim letzten AC verschossen.

Ich habe kürzlich einen Artikel über Larry Ellison auf Spiegel Online gelesen. Seitdem sehe ich den Oracle Chef noch viel mehr als Nestbeschmutzer in unserem schönen Sport.

Zitat aus dem Artikel:

„Ellison gewann den 33. America’s Cup mit den gleichen Mitteln, die er im Geschäftsleben anwendet: den Gegner durch juristische Gefechte zermürben; den Wettkampf auf die persönliche Ebene verlagern […]“

Die Welt braucht Siegertypen und kommt nicht ohne Hardliner aus, aber ich denke es gibt bessere Wege zum Sieg.

Unabhängig von der Personalie Larry Ellison, ist der Modus in dem der nächste AC ausgetragen wird nicht der schlechteste! Ich habe mich wegen diverser Artikel länger mit der Geschichte und dem Mythos AC beschäftigt und kann sagen, dass es nicht unbedingt die Jahre der IACC-Matches sind, die große Überschriften in den Analen des AC hinterlassen haben. Der Flügelkiel der „Australia II“ oder das Miss Match aus 1988, das sind Geschichten, an die man sich erinnert. Natürlich wird das „Miss Match 2.0“ aus diesem Jahr irgendwann auch in dieser Reihe genannt werden.

Ich finde der Segelsport verträgt alle paar Jahre eine Veranstaltung, die Millionen versenkt und die Entwicklung voran treibt. Das Flügelsegel funktionieren ist schon länger bekannt, aber neuen Auftrieb (kleiner Wortwitz) hat diese Technologie erst wieder durch den letzten AC erhalten. Wenn es nach mir geht, muss der AC noch nicht mal auf One-Design Booten stattfinden.

Da ihr ja alle sicher schon die wesentlichen Eckdaten des neuen Modus kennt, will ich sie euch nur in Stichpunkten zusammenfassen.

–       gesegelt wird auf 72 Fuß Katamaranen mit Flügelsegel

–       Breite 14 m, 7.000 Kilogramm Rumpfgewicht und 11 Mann Besatzung

–       Windlimit 3-33 Knoten

–       ab 2011 wird es eine AC World Series auf 45 Fuß Katamaranen geben

–       der erste Cat dieser Art befindet sich im Bau und soll im Dezember diesen Jahres erstmalig segeln

–       2012 soll auf den 45 Fuß Katamaraen ein Jugend AC stattfinden mit U22 oder U25 Teams

Die ebenfalls von Coutts angesprochene Kostenreduktion ist reichlich lächerlich, da sie sich in erster Linie darauf stützt, dass der personelle Aufwand infolge der kleineren Crews geringer geworden ist, der 72 Fuß Cat – in ein Flugzeug passt und ein Flügel wesentlich weniger Verschleiß zeigt, als konventionelle Segel.

Der finanzielle Aufwand ist für die Herausforderer also dennoch immens und die Zeit knapp! Der Neuseeländer Grand Dalton vom Emirates Team New Zealand erwartet neben seinem Team maximal noch 5 andere Teams an der Startlinie – Coutts rechnet mit mindestens 8!

Natürlich hat sich BMW Oracle mit diesem Modus einen beachtlichen Vorteil verschafft, den Russel Coutts aber mit dem unfassbar eingehenden Argument niederschmettert, dass sein Team auch auf einem Monohull der Favorit wäre! So sieht das gesunde Rechtsverständnis eines fairen Sportsmannes aus!

Unsere Kollegen von Segelreporter.com haben Jochen Schümann dazu befragt, ob es eine deutsche Teilnahme beim 34. AC geben wird. Schümi sagte zu den Ergebnissen der Pressekonferenz vom Montag:

„Bis auf den Zeitpunkt 2013 statt 2014 gab es für mich keine Neuigkeiten. Denn die wirklich wichtige Information betrifft den Ort. Wir wissen immer noch nicht, wo der 34. America´s Cup stattfindet. Und für Sponsoren macht es einen großen Unterschied, ob der Cup in den USA oder Europa gesegelt wird. Insofern hat sich für uns nicht viel geändert.“

Von der Wahl des Bootes zeigt sich Schümi ebenso unbeeindruckt, wie vom Wettbewerbsvorteil des US-Syndikats, doch den Zeitpunkt findet er eher ungünstig: „2013 kommt für alle nicht etablierten Teams zu früh. Wer nicht das Geld im Nachttisch liegen hat, wird Probleme bekommen schon 2012 ein konkurrenzfähiges Schiff an die Startlinie zu bringen.“

Bei der Frage nach einer deutschen Teilnahme verwies er wieder auf den bis dato unbekannten Austragungsort und die damit verbundenen Sponsoreninteressen.

Das Komplette Interview können sie hier bei den Kollegen von segelreporter.com lesen.

Unser deutscher Multihull-König Roland Gäbler zeigt sich erfreut über den neuen Modus im America‘s Cup – nicht wirklich überraschend, denn warum sollte man bei einer tatsächlichen Teilnahme eines deutschen Teams ausgerechnet auf ihn verzichten:

Seine Meinung zum AC:

„Die Segelwelt muss akzeptieren dass die technischen Entwicklungen weiter gehen. Man sollte den Fortschritt nicht aufhalten. Wir stehen vor einem neuen Zeitalter in unserem Sport. Schnelle und spektakuläre Boote müssen her. Unser Sport braucht mehr Action und die neuen Boote werden ihr bestes tun um dies zu liefern.  Unser Sport braucht in einigen Bereichen eine General-Überholung. Nur so können wir die Jugend begeistern und bei den Medien wieder in die erste Liga kommen.

Ich war erstaunt wie gut man Matchracing auf Multihulls machen kann. Der Extreme40 Event in Kiel Ende August mit den vielen spannenden Matches hat gezeigt, wie spektakulär und spannend das sein kann. Mit Gennacker (Tornado) oder CodeZ (AC Yachten) beschleunigen so schnell, das es zu vielen Positionswechseln kommt. Es ist viel einfacher zu erkennen was ein Team gut oder schlecht macht. Segeln wird mit diesen neuen Booten transparenter.

Der Segelsport braucht eine Serie wie die GP Serie des Motorsports. Das ist das beste Event Format welches im Sport gibt. Jeden Monat ein Highlight.

Es wird sehr aufregend. Endlich mal etwas neues. Und….. Segelspass Pur für alle Beteiligten. Ich wünsche jede Person mal auf fliegenden Multihulls zu segeln. Es ist phantastisch. Mit den Wingsails wird man zwischen 1 und 35 Knoten segeln können. Es MUSS pünktlich gestartet werden. Das ist wichtig für die Programmmacher.“

“America” – die Legende lebt! Teil 2

… Fortsetzung von “America” die Legende lebt! Teil1

Doch der Faszination America konnte sich die Welt nicht lange entziehen und so fiel dem ebenso legendären Konstruktuer Olin Stephens († 13. September 2008 ), die ehrenvolle Aufgabe zu, den schnellen Schoner möglichst nah am Original erneut zu konstruieren. Der Stapellauf der „neuen“ America fand am 3. Mai 1987 bei der Werft Goudy & Stevens in den USA statt. Dieser Nachbau der America führte 1996 in Savannah die Eröffnungsparade der Segler bei den 26. Olympischen Spielen (Atlanta) an.
Der Grund für diese Geschichtsstunde ist allerdings ein weiterer Nachbau! Bereits seit letztem Jahr liegt im Rostocker Stadthafen ein Schiff, das aufgrund der charakteristisch nach Achtern geneigten Masten, sofort als Nachbau der America zu identifizieren war. Die „Skythia“, wie der schlanke Stahlschoner heißt, wurde beim Bootsbauer „Nautica“ in Varna (Bulgarien) gebaut (2003-2005).
Von Außen ist die Skythia eine Schönheit, der nichts vom Glanz ihres Vorbildes fehlt, auch die Aufteilung des Innenraums erinnert stark an die Yachten der „belle Époque“ des Segelsports. Einzig bei der Verarbeitung der Hölzer im Innenraum waren die bulgarischen Schiffbauer nicht sonderlich detailverliebt, grobe Spaltmaße und Bauschaum werden den aktuellen Eigner (ein Hotelier aus Österreich) wohl zu einem Refit, der noch jungen Dame zwingen, bevor sie zahlenden Gästen ihr Geschwindigkeitspotential offenbaren kann.
Trotz der Tatsache, dass die Skythia praktisch vor meiner Nase liegt, war es nicht so leicht einen Ansprechpartner zu finden, der mir einen Rundgang über das Schiff ermöglicht. Erst als der nette Herr Peters, ein Kapitän im Ruhestand, das Schiff unter seine Fittiche nahm, war wieder Leben an Bord zu beobachten. In Begleitung von unserem Kapitän Johannes und der Kamera war ich letzte Woche an Bord. Die Skythia geht in den nächsten Wochen in die Werft, um die Außenarbeiten abzuschließen und die Segel anzuschlagen. Wenn die Dinge günstig stehen und alle beteiligten Wort halten, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr hier in absehbarer Zeit einen kleinen Film sehen werdet, der den schönen Schoner unter Segeln zeigen wird. Angenehmer Nebeneffekt – ich werde zum drehen natürlich mit an Bord sein und freue mich darauf wie Bolle!

www.skythia-rostock.de


“America” – die Legende lebt! Teil 1

Wer sich mit dem Segeln beschäftigt und sei es auch nur oberflächlich, hat bereits von der ältesten Sporttrophäe der Welt gehört, dem Americas Cup. Wer sich etwas intensiver mit dem Segelsport beschäftigt, also Yachtblick liest, hat auch mal was von der legendären „America“ gehört. Dieser Schoner gewann 1851 den „One Hundred Sovereigns Cup“, der später nach eben jener siegreichen Yacht in „Americas Cup“ umbenannt wurde.

Es gibt sicherlich viele legendäre und revolutionäre Cup-Yachten, aber eine wird immer die erste sein. Ich möchte sie ehrfürchtig als die Mutter aller modernen Regattayachten bezeichnen.

Der Stapellauf fand am 3. März 1851 bei der New Yorker Werft von William H. Brown statt, der Name des Konstrukteurs war Georg Steers. Dieser hatte die America auf der Vorlage des schnellen Lotsenschoners Mary Taylor entworfen. Der aus Weißeiche, Zedern- und Walnußholz gebaute Schoner war 30,85 m lang (Loa), 6,95 m breit und verdrängte 170 Tonnen.

Als Auftraggeber und späterer Eigner gilt ein Finanzkonsortium aus dem Dunstkreis des New York Yachtclubs, unter Vorsitz des Club Gründers John Cox Stevens. Die Ursprüngliche Angebotssumme lag bei 30.000 US-Dollar, gezahlt wurden aufgrund einer Vertragsklausel nur 20.000 US-Dollar. Sollte es einer vergleichbaren Yacht gelingen, die America in einem Rennen, innerhalb von 20 Tagen nach Fertigstellung zu schlagen, hätte das Konsortium die Yacht weder abnehmen noch bezahlen müssen. Anders, als man aufgrund des späteren Sieges beim Cup vor England vermuten könnte, gelang es der Slup Maria (Eigner John Cox Stevens ) tatsächlich den schlanken Schoner in diesem Rennen zu schlagen. Da dem Konsortium wegen des anstehenden Cups die Zeit für einen weiteren Neubau fehlte, einigte man sich auf den geminderten Kaufpreis. Eine weitere Klausel im Vertrag sah ja auch vor, dass die Werft die Yacht hätte zurücknehmen müssen, wäre sie vor England von einem vergleichbaren Schoner geschlagen worden. Harte Zeiten für den Yachtbau.

Man fand zwar heraus, dass es schnellere Schiffe als die America gab, unter den gegebenen Umständen war dieses Schiff die beste Option, denn es stand ja noch die Atlantiküberquerung an. Auf dieser konnte die America ihr Potential zum ersten Mal unter Beweis stellen. Ausgerüstet mit der 2. Garnitur Segel, erreichte Sie ein Etmal von 284 Seemeilen, also knappe 12 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit.

Das Rennen um den bereits erwähnten „One Hundred Sovereigns Cup“ wurde vom Royal Yacht Squadron als Fleet Race ausgeführt und von der America am 22. August 1851 um 20:37 Uhr nach 53 Seemeilen mit stolzen 20 min Vorsprung unter den Augen von Königin Victoria gewonnen.

Die siegreiche Yacht wurde im Anschluss an das Rennen von ihrem Eigner für 25.000 US-Dollar an Lord John de Blaquière verkauft, der sie für Kreuzfahrten im Mittelmeer umbauen ließ. In den folgenden Jahren wechselte sie mehrfach den Besitzer, wurde umbenannt, überarbeitet, diente als Segelschulschiff für die Marineakademie der Vereinigten Staaten und war für die Nordstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg im Einsatz.

1870 nahm der Schoner am ersten als solchen bezeichneten Americas Cup teil und wurde Vierte. In den Folgejahren bis zur Jahrhundertwende wurde die America wieder als Regattayacht eingesetzt, nahm dann aber den Weg über mehrere Besitzer, bis sie ab 1921 erneut in den Besitz der Marineakademie überging. Auf deren Stützpunkt in Annapolis überließ man sie aber dem Verfall. Die Yacht wurde in einen Schuppen eingelagert, dessen Dach 1942 in Folge schwerer Schneefälle zusammenstürzte und den legendären Schoner unter sich begrub. Eine Untersuchung nach Kriegsende ergab, dass sich ein Wideraufbau aufgrund des desolaten Zustand des Rumpfes nicht lohne und so wurde die America 1946 abgewrackt.

Fortsetzung des Artikels: “America” – die Legende lebt! Teil 2 

www.skythia-rostock.de

Quellen: Wikipedia ; Monacoeye

Zusammenfassende Video-Reportage zum 33. AC!

Jochen von unserer Partnerseite www.segel-filme.de hat mal wieder ein kleines Reportage-Highlight für uns zusammengeschnitten. Der Clip bietet, neben tollen Bildern von den Cup-Giganten, vor allem Kommentare von Rolf Vrolijk, dem Chefkonstrukteur von Alignhi und Thomas Hahn einem Ingenieur von BMW-Oracle. Als Kenner der Segelszene kommt auch Carsten Kemmling zu Wort, ein Journalist, der lange für die Yacht gearbeitet hat. Letzterer hat kürzlich das sinkende Schiff “Printjournalismus” verlassen, um im Netz sein Glück zu machen. Wir wünschen viel Erfolg dabei!

Die bodenlose Kanne verlässt Europa!

Das Video zeigt den Zusammenschnitt vom 2. Rennen des 33. America’s Cup!

Der Cup ist vorbei und der Vollständigkeit halber will auch ich meinen Senf noch einmal dazu geben. Wie ihr ja sicherlich alle schon mitbekommen habt, ist BMW-Oracle auch im zweiten Rennen nur Vorletzter geworden. Der Cup befindet sich in nächster Zeit also erst einmal wieder auf der falschen Seite vom großen Teich.

Dass ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht hätte, ist ein offenes Geheimnis, aber ich muss ganz ehrlich eingestehen, hier hat das bessere Team und das bessere Boot gewonnen. Ich habe keine große Ahnung vom Match Race und meine Regelfestigkeit reicht mal gerade um ein Rennen zu verfolgen ohne dauernd nachzufragen, was da eigentlich gerade passiert. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle in Frage stellen, wie es sein kann, dass sich ein Boot voller Profisegler ein Penalty einhandelt, weil es nicht rechtzeitig hinter der Start-Ziel-Linie ist? Kann man ihnen das Penalty im ersten Rennen, mit viel gutem Willen, noch als den gelungenen Versuch durchgehen lassen BMW-Oracle „einzuparken“ und dabei den Kringel in Kauf zu nehmen, gibt es für die zweite Strafe meiner Ansicht nach keine Rechtfertigung. Auch dass der Kat möglicherweise schwer zu manövrieren ist, lass ich nicht als Antwort gelten, schließlich hatte man mit Loick Peyron einen der erfahrensten Multihull-Segler der Welt an Bord. Das war eine schwache Kür meine Herren! Ihr habt mich enttäuscht und mir 2 Tage ein wenig die Laune versaut. Das nehm ich euch übel!

Da ich aufgrund von Uni-Prüfungen nicht selbst in Valencia sein konnte, war ich komplett auf die Berichterstattung im Netz angewiesen. Auch wenn die Server hin und wieder mal auf wackeligen Füßen standen und ihre Kapazitätsgrenzen erreichten, bin ich alles in allem zufrieden mit den Übertragungen. Die Qualität der Bilder und der Kommentare haben gezeigt was möglich ist, wenn das Budget stimmt.

Für das Fernsehen ist die Übertragung von Segelveranstaltungen immer schwierig, da sich der Wind nicht an Sendezeiten hält. Dennoch haben 39 Fernsehsender, insgesamt 15 h live in 216 Ländern über den Cup berichtet.

Allein die Seite americascup.com hatte über die Zeit des Cups 2,8 Millionen Besuche von denen 656.000 den Cup Live auf dieser Seite verfolgten. Bedenkt man, dass noch 350 weitere Webseiten den Cup gestreamt haben und americascup.com stets als erstes überlastet war, kann man davon ausgehen, dass eine ganze Menge Menschen an diesen zwei Tagen auf das winterliche Valencia geschaut haben. Etwas enttäuschend finde ich da fast schon die „wirklichen“ Besucherzahlen. In der Zeit vom 7.-14. Februar besuchten 201.000 den Hafen von Valencia. Vergleicht man das mit den knapp 80.000 Leuten, die den iShares-Cup in Kiel im Jahre 2008 verfolgt haben sollen, muss man das als eher magere Ausbeute betrachten.

Wer sich für derlei Zahlenspiel interessiert, findet hier den „America’s Cup in Zahlen“.

Der Cup ist vorbei, die „bodenlose“ Kanne macht sich auf den Weg in die USA, draußen liegt immer noch Schnee und Russell Coutts & Co. überlassen uns damit wieder der allgmeinen Winterdepression in Seglerkreisen. Ich verkneife mir jetzt irgendwelche Fußballer-Weisheiten, die uns erklären, was „nach dem Spiel“ so alles los ist und hoffe einfach mal, dass der 34. America’s Cup ohne Rechtsstreitigkeiten, auf interessanten Booten und mit einem oder mehreren adäquadten Herausfordereren stattfindet und die Kanne danach wieder in Europa ist – da wo sie her kommt und hin gehört! Der italienische Reeder Vincenzo Onorato hat sich bereits mit dem Yachtclub Nautico de Roma zum neuen „challenger of record“ erklärt.

In den nächsten Tagen werde ich euch noch ein paar Bilder zur Stimmung im Yachthafen präsentieren, die „unser Mann in Valencia“ gemacht hat. Seid gespannt!

P.S. Mich würde interessieren, was jetzt mit den beiden Mega-Multis passiert – wenn ihr da irgendwas hört, bitte ich euch mir Bescheid zu geben.

Video! Zusammenschnitt vom 1. Rennen des America’s Cup!

via Valenciasailing

BMW-Oracle leider nur Vorletzter!

© Jaime Reina/AFP/33rd America’s Cup

Oh oh! Ein schwarzer Tag für den europäischen Segelsport. Wenn Alinghi in den nächsten beiden Nächten nicht noch eine Geheimwaffe auspackt, dann geht der Cup wohl wieder nach Amerika. Das wäre für andere europäische Cup-Projekte sicherlich mit enormen Kosten verbunden, sodass sich einige wohl noch überlegen werden, ob sie da teilnehmen.
Aber kommen wir zum heutigen Rennen. Wie kann man sich den so doof anstellen – sorry aber anders kann man es wohl gar nicht sagen – und sich einen Penalty in der ersten Minute einfangen. Da hat doch wohl irgendwer gepennt. Alinghi ist aber zum Glück noch mit einem blauen Auge davon gekommen, da die Amerikaner bei geringen Geschwindigkeiten nicht ganz so gut manövrieren können.
Dann jedoch kam der Schock, BMW Oracle Racing nahm Fahrt auf und fuhr einfach in unglaublicher Zeit ran, ohne das Alinghi auch nur Chancen gehabt hätte da mit zu halten.
Damit war das Rennen dann leider auch schon entschieden. Kurze Spannung kam noch mal an der Tonne auf, weil man die Geschwindigkeiten auf den Down-Wind-Kurs noch nicht kannte. Dies entschied James Spithill aber klar für sich, da er einfach der ruhigere und bessere Skipper war und ist.
Hoffen wir nun also auf ein Wunder für Sonntag.

Das 1. Rennen des 33. AC kommentierte  Oliver für Sie. Der Berliner hat langjährige Erfahrungen in olympischen Bootsklassen und einen Trainerschein. Oliver segelt regelmäßig für Speedsailing auf ausgedienten Volvo Ocean Racern und blickt auf Einsätze auf Yachten wie der Utsider (Elliott 45) oder auf Farr 52 (Yacht Racing Academy) zurück.

Alinghi Wetterflugzeuge im Video!

Ich denke die Jungs haben nicht den schlechtesten Job rund um den America’s Cup.