Yachtblick Rotating Header Image

Die letzte deutsche Staatsyacht! Erichs Ostseeland – Teil 2

Zum 1. Teil des Artikels

Glaubt man den Berichten eines ehemaligen Offiziers der Volksmarine, der ausführlich im NVA-Forum (erschreckenderweise gibt es so etwas tatsächlich) über seine Zeit auf der Ostseeland berichtet, war der Aktionsradius der Yacht stark auf die Gewässer der DDR beschränkt. Es wird nur von einer einzigen Dienstreise nach Polen berichtet. Die nur etwa 70 Seetage im Jahr sind wohl darauf zurück zu führen, dass Erich kein großer Freund der Seefahrt war und stark zur Seekrankheit neigte. Den Rest der Zeit verbrachte die Yacht im Hafen von Rostock. Für die Ortskundigen, sie lag im Breitling.

Wie es sich für eine echte Stasi- … ähm Staatsyacht gehört, verfügte die Ostseeland über eine eigene Abhörzentrale. Man war also stets darüber Informiert, was Gäste der Yacht, wie z.b. Fidel Castro, so trieben. Zur Stammbesatzung gehörten etwa 25 Mann Crew und bis zu 16 Gäste bei Mehrtagesfahrten oder 35 bei Tagesfahrten. Genutzt wurde das Schiff zur Beobachtung von Flottenmanövern, sowie für Lustfahrten mit Staatsgästen bzw. Partei- und Staatsfunktionären. Im Kriegsfall wäre die Yacht zum Lazarettschiff umgebaut wurden.

Nach der „Außerdienststellung“/Wende wurde die Yacht  an einen Eigner verkauft, dessen Identität nicht so ganz klar ist. Fakt ist, sie wurde unter Maltesischer Flagge betrieben und in den Hafen von Kopenhagen verlegt. In selbigem lag sie dann bis zur Zwangsversteigerung am 1. Mai 1998. Als Mindestgebot wurden 26.000 DM aufgerufen – was den über die Jahre  aufgelaufenen Liegegebühren entsprach! Den Zuschlag erhielt ein türkischer Kaufmann mit Namen Senol Yegin für 313.000 DM. Sie wurde daraufhin nach Istanbul verlegt.  In der Folgezeit sollte die „Aniara“, wie sie damals hieß, einem 5 Millionen Mark teuren Refit unterzogen werden, um unter dem Label Blue-Marlin-Charter Ostalgie-Kreuzfahrten zu ermöglichen. Dieses Projekt scheiterte aber an finanziellen Schwierigkeiten. Wie weit dieses Projekt und das Refit zum Zeitpunkt des Scheiterns bereits vorangeschritten war, vermag ich nicht zu sagen. Die Bilder der „Falcon“, wie sie wohl heute heißt, sprechen aber nicht unbedingt für ein umfangreiches Refit.

Das letzte Mal tauchte die „letzte Deutsche Staatsyacht“ im Jahre 2005 in der öffentlichen Wahrnehmung auf, als sie über einen Hamburger Makler auf gebrauchtboote.de angeboten und für angeblich 700.000 Euro an einen Käufer aus Dubai verkauft wurde. Selbiger lies im Nachgang verlauten, dass ihn die Geschichte des Schiffs nicht interessiere und er sie umbauen werde.

… sowie es etwas neues gibt setze ich diesen Artikel fort!

Die Bilder wurde mir freundlicherweise von Jukka Koskimies zur Verfügung gestellt.

14 Comments

  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Tommy & Christoph, Rostock-Blogs.de erwähnt. Rostock-Blogs.de sagte: Die letzte deutsche Staatsyacht! Erichs Ostseeland – Teil 2 http://bit.ly/70osp0 […]

  2. Klaus-Peter Bittner sagt:

    Na immerhin konntst du den ach so schrecklichen Seiten des NVA-Forums einige Informationen zum Schiff entnehmen.

  3. Tommy sagt:

    Ja konnte ich und dafür bin soweit auch dankbar. Das die Seiten “schrecklich” sind hast du gesagt. Ich finde es aber bedenklich, wenn man den Militarismus eines totalitären Staatssystems zum Kult erhebt, dafür bin ich zu sehr Demokrat.

  4. Juergen Koch sagt:

    Ich war kurz nach der Wende im Frühjahr 1990 mit einem Kaufinteressenten an Bord. Kommentar des Wachhabenden am Tor zum Marinehafen: komisch, seit wir einen Pfarrer (Rainer Eppelmann) als Verteidigungsminister haben, kommt hier jeder rein, sogar ihr aus dem Westen. Ostberlin wollte 400.000 DM West für den Dampfer, inkl. 4 Ersatzmotoren (russische Stern- Diesel). Wir haben dann nicht gekauft, weil der Dampfer völlig asbestverseucht war und wahrscheinlich noch ist.
    Übrigens, Yachtblick ist gut gemacht, ich schaue regelmässig rein. Macht weiter !

  5. Tommy sagt:

    Vielen Dank für die Blumen!

    Der Kommentar hat mich doch eine Weile grinsen lassen =)
    Mich würde interessieren wie ihr damals auf die Yacht gestoßen seit, war euch allen so klar was Erich da zu liegen hatte – bei boatshop24 wird sie ja 1990 noch nicht drin gewesen sein.

  6. Juergen Koch sagt:

    Networking würde man heutzutage sagen;dazu da gab es dann einen Staatssekretär im Ostberliner Verteidigungsministerium, einen Anwalt in Ostberlin usw., und alle wollten natürlich eine Scheibe von dem Kuchen haben. Aber die Details gehören nicht ins Netz. Auf jeden Fall war es ziemlich interessant …

  7. Klaus-Peter Bittner sagt:

    Hallo Tommy,

    das diese Bemerkung mit dem “schrecklichen” nich tnur auf das NVA-Forum bezog war ja aus deinem Beitrag nicht herauszulesen.

    Noch ein Wort zu den Motoren (Beitrag von Jürgen Koch): Wenn da wirklich jemand Stern-Motoren als Ersatz angeboten hat, dann war er entweder unwissend oder wollte Euch testen. Dis OSTSEELAND hatte keine Sternmotoren sondern den Motor 40DM (2 Stück). Das war ein normaler 12-Zylinder-Dieselmotor, wie er auch in russischen Dieselloks eingebaut war.

  8. Juergen Koch sagt:

    Stimmt, hatte ich verwechselt oder vergessen (ist ja auch schon ein paar Jahre her). Die Sternmotoren waren eine andere Geschichte.

  9. Tommy sagt:

    Ich habe nur einfach das Wort schrecklich nicht benutzt!
    Das mit den Motoren steht im übrigen im ersten Teil des Artikels!

  10. william sagt:

    Dear All,

    Anyone who want to buy this yacht now?

    I just had a dinner with the current owner who is a chairman of a big group. Seems everyone is interest in her historical experience.

    Expect to know more about her. Please send me your comments or offer to my mailbox: XXXXXXX@hotmail.com

    William

    Anmerkung der Redaktion: Yachtblick ist nicht dazu da kostenfrei für Broker zu werben, deshalb habe ich die Mail-Adresse unkenntlich gemacht.

  11. Wilfried H.Neumann sagt:

    Im Jahre 1971 – 1973 war ich bei der Volksmarine in Rostock Gehlsdorf.
    Kommando Volksmarine nannte sich der Stütspunkt. Es gab die Ostseeland und die Ostseeland 2 . Es ist alles richtig was hier geschrieben wurde. Einmal 1972 war war ich auf dem Steg als die Ostseeland 2 einlief und ich einem dickes Festmachseil zugeworfen bekam und Sie am Poller festmachen – bremsen musste. Ich könnte noch viele Geschichten aufschreiben vom Kommando, auch über den Vizeadmiral Ehm.
    Gruss Wilfried !!

  12. john sagt:

    Hello, ,2011 sailled to Aliaga, if am correct.
    Not one picture then fm her scrapyard. Is there any possibility that she sailes again??

    Regards

  13. Sperrmaat314 sagt:

    Hallo alles sehr interessant hier. Ich interessiere mich sehr für die ehemaligen Schiffe der Kondor Klasse, der Volksmarine.
    Ich würde mich sehr freuen wenn die Herren Wilfried H.Neumann und Juergen Koch Verbindung zu mir aufnehmen könnten.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *