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Schnelle Kiele befinden sich oberhalb der Wasserlinie!

 

Franck Cammas (Groupama III) und Pascal Bidegorry (Banque Populaire V), beide waren sie angetreten, um den Rekord der Orange II, aus dem Jahre 2005, für die schnellste Weltumsegelung zu brechen. Während Cammas gerade Kap Horn gerundet hat und sich, aktuell mit Rückstand auf den alten Rekord, auf der Zielgeraden im Atlantik befindet, hat Bidegorry gerade die Hoffnung auf ein gutes Wetterfenster aufgegeben und seinen Rekordversuch, ohne eine Meile gesegelt zu sein, abgebrochen.

Beide sitzen sie auf „Hightech“ Trimaranen, deren vorsätzliche Aufgabe es ist, schnell zu sein.  Genauso hochgezüchtete Mulithulls, wie wir sie gerade beim 33. AC gesehen haben. Boote an denen sich die klügsten Ingenieure der Branche nach Herzenslust austoben konnten und doch gehören sie vielleicht bald schon zum alten Eisen – oder besser zum alten Carbon!

Ich hatte bereits vor einigen Tagen auf der Facebook-Fanseite erwähnt, dass die Crew um den „Hydroptère“ weitere Boote baut, um ihre Jagd nach Rekorden fortzusetzen! Das die „tollkühnen Männer mit ihrer fliegenden Kiste“ im Stande sind Rekorde zu brechen, haben sie bereits hinreichend bewiesen! Wenn die Crew also mit einem größeren Hydrofoil-Trimaran antritt, um den Rekord für die schnellste Weltumrundung unter segeln einzufahren, würde Franck Cammas seinen angestrebten Titel möglicherweise nicht sonderlich lange halten können.

Doch glaubt man dem Konstrukteur Vlad Murnikov, gehört auch der noch nicht fertig gestellte „große“ Hydroptère bereits jetzt schon wieder zum alten Eisen – pardon – Carbon!

Murnikov ist überzeugt, dass er mit seinem Konzept die Mega-Mulithulls schlagen kann und die Rekorde einstecken wird. Die Basis seiner Waffe – ein Monohull!

 

Ein klarer Fall von Selbstüberschätzung und schlechten Drogen? Ja vielleicht – aber sein Konzept weicht so sehr von allem bisherigen ab und ist dabei so einfach und genial. Was die Bilder zeigen, ist das schärfste was die Segelwelt bis dato gesehen hat und seine Argumente und Erklärungen sind schlüssig und wirken nicht sonderlich überzogen.

So weißt er zum Beispiel darauf hin, dass die schnellsten Monos heutzutage die VOR 70 sind und die sind in eine „box“ konstruiert, also zu Gunsten des sportlichen Vergleiches in ihren Abmessungen beschränkt. Weiterhin erklärt er, dass der Lee-Rumpf eines Multis, egal wie rank und schlank er ist, immer ein „Verdränger“ ist. Dem gegenüber steht natürlich die Gleitfahrt schneller Monos.

Die „Speed Dream“, wie das Projekt treffenderweise heißt, wirkt wie der Versuch, die Vorteile des Multis bei einem Monohull anzuwenden.

 

Wenig Rumpf im Wasser, Wavepiercerrümpfe, Hydrofoils und keinen Kiel, der einen Widerstand unter Wasser darstellt – all dies sind Eigenschaften, die wir von Groupama, Hydroptère und Co kennen. Vlad Murnikovs Entwurf soll genau das können, nur eben als Mono!

Wie Murnikov den schiffseignen Widerstand verringern will, wie ein Wavepiercer beim Monohull aussieht und wo die Hydrofoils angebracht werden, das zeigen die Bilder besser als ich es beschreiben könnte! Bleibt also nur noch zu klären, wie er einen Kiel bauen will, der im Wasser keinen Widerstand verursacht!

 

Die Box-Rule der VOR 70 Yachten beschränkt den Winkel, bis zu dem der Kiel geschwenkt wird, auf 40°. Der Kiel von „Speed Dream“ soll hingegen deutlich weiter geschwenkt werden. Ziel der Konstruktion ist es, das Schiff bei einem Krängungswinkel von 20° – 25° zu fahren. Wenn ich das richtig verstehe, soll der Kiel da schon nicht mehr im Wasser sein.

Dass die Form des Vorschiffs dafür sorgen wird, dass jede Reise für die Crew im Cockpit eine recht nasse Angelegenheit wird, ist dem Konstrukteur so klar wie egal. Der Rest des Decks ist darauf ausgelegt, dass überkommende Wasser möglichst schnell ablaufen zu lassen. Die Segler im Cockpit stehen deshalb auch nicht auf optisch schönem Stabteak, sondern auf einem gespannten Netz.

Für mich ist Speed Dream der kompromisslose Versuch alle bewährten Komponenten von Offshore Rennyachten in einen Entwurf zu packen. Vielleicht ist Speed Dream nicht unbedingt revolutionär – radikal ist dieses Projekt aber auf jeden Fall. Ich hoffe es wird gebaut!

 

Weitere Informationen und die Kontaktdaten des Teams finden sie in diesem Prospekt, aus dem auch die Bilder entnommen wurden. via Sailkarma.com

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