Yachtblick Rotating Header Image

Microtransat Challenge – boating for geeks

Wäre es nicht genial ein Boot zu haben, das alleine segeln kann? Ein Segelboot, das bei Eingabe der Geokoordinaten autonom Segel setzt und lossegelt! Ein Boot, das ohne den Eigner Urlaub machen kann … !

Bei der Microtransat handelt es sich um eine Transatlantik-Regatta für vollautonome Modellsegelboote mit dem Ziel die Entwicklung autonomer Segeltechnologie voranzutreiben. Das geplante Debüt der Regatta sollte eigentlich schon in diesem Jahr stattfinden, musste aber aufgrund von Problemen mit den portugisischen Behörden abgesagt werden. Diverse Vorläufe, welche die Teilnehmer auf die Regatta vorbereiten sollen, finden bereits seit 2006 statt. Natürlich wird dabei unter den derzeit 4-5 aktiven Teams nichts geringeres als der Weltmeistertitel ermittelt.

Schaut man sich das Reglement einmal genauer an, so wird einem doch schnell klar, dass es sich hier um etwas mehr handelt als ein lustiges treffen von Hobbymodelbauern. Den Veranstaltern ist klar was die Boote auf dem Atlantik erwartet, auch in Bezug auf die konventionelle Seefahrt. So schreibt der Veranstalter übliche Navigationslichter ( Mindestreichweite 2 Seemeilen ) vor und verlangt , dass sich die Roboter jenseits üblicher Schifffahrtsrouten bewegen. Weiterhin empfiehlt man das Anbringen von Reflektierenden Elementen am Schiff sowie einen AIS Transponder.

Von den Teams wird weiterhin verlangt, dass die Boote ihre Geokoordinaten mindestens einmal alle 24 Stunden übermitteln. Es ist legitim wenn das Boot auch andere Daten, wie beispielsweise den Ladezustand der Batterie überträgt, aber es droht die Disqualifikation wenn den Booten Daten übermittelt werden. Eine Fernsteuerung der Boote ist also nicht erlaubt. Auch energietechnisch müssen die Boote völlig autonom sein und als einziger Antrieb ist der Wind zugelassen.

Die internationalen Kollisionsverhütungssregeln für die Seefahrt (COLREGs) definieren ein Schiff als Beförderer von Personen oder Gütern. Daher ist der Veranstalter der Ansicht, dass er ein Kollisionsverhütungssystem nicht zwingend vorschreiben muss. Unterstützt wird der Veranstalter in seiner Auslegung der Kollisionsverhütungsregeln dabei von der IMO sowie den Küstenwachen von Frankreich und dem Großbritannien. Diese klassifizieren die Microtransat-Schiffe als Bojen. Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch zu Kollisionen mit Seeschiffen kommen, hat man die Länge der Schiffe auf 4 m begrenzt um große Schäden an den konventionellen Schiffen zu vermeiden. Bleibt nur zu hoffen, dass die 6,50 m langen Boote der Minitransat, die ja bekanntlich ganz altmodisch von Menschen gesteuert werden, niemals auf einen dieser segelnden Roboter auflaufen.

Derzeit haben für die Microtransat 2009 bereits 11 Teams gemeldet. Zum großen Teil besteht das Feld aus westeuropäischen und US-Amerikanischen Universitätsteams.

Was das ganze soll?

Der amtierende „Weltmeister“, das österreichische „Roboat“ der Innoc (Österreichische Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften ) beschreibt mögliche Einsatzzwecke der Technologie wie folgt:

  • Intelligente Sensor-Bojen: Ein autonomes Segelboot ist völlig energieautark und kann daher zeitlich unbegrenzt Messwerte auf Seen oder den Weltmeeren sammeln. Es können beispielsweise Vermessungen, wasserökologische Studien oder Ermittlungen von Fischbeständen kostengünstiger als bisher durchgeführt werden.
  • Sicherheit auf Segelschiffen: Die Technologie kann auf Segelschiffen beliebiger Größe eingesetzt werden. Ähnlich wie ABS oder ESP im Auto kann das Roboat-System in Gefahrensituationen eingreifen und dem Skipper helfen, das Boot wieder unter Kontrolle zu bringen. Das System könnte auch erkennen, wenn der Skipper über Bord geht und ihn selbständig und punktgenau wieder abholen.
  • CO2-neutrale Frachtenbeförderung: In Zeiten, in denen Treibstoff immer teurer wird, müssen Alternativen in der Güterbeförderung gesucht werden. Segelschiffe sind umweltfreundlich, erfordern bisher jedoch relativ großen Personaleinsatz. Das ändert sich mit der Roboat-Technologie: Alles von der optimalen Routenplanung bis zur Durchführung der notwendigen Manöver wird vom Boot selbst gemacht.
  • Aufklärung und Überwachung: Ein Roboat kann in entlegene oder gefährliche Regionen entsendet werden. Lautlos, energieautark und unbemannt ist es eine kostengünstige und ungefährliche Möglichkeit etwa zur Überwachung von Schmuggler- oder Schlepperrouten.
  • Boot als Segeltrainer: Unzählige Messwerte mehrmals pro Sekunde aufgezeichnet ermöglichen es, im Nachhinein jedes gesegelte Manöver genau zu analysieren.
  • Komfort an Bord: Der Segler kann selbst entscheiden, welche Aufgaben an Bord er selbst übernimmt und was er lieber dem Roboat-System überlässt. Aufgaben an das Schiff delegieren zu können, ist besonders interessant für Menschen mit Behinderungen, Schiffe mit verminderter Crew und für verletzte, erkrankte oder erschöpfte Skipper.
  • Versorgungsschiff: Abgelegene Regionen mit geringer Einwohnerzahl, wie etwa Forschungsstationen auf Inseln, können mit Hilfe von Robotersegelbooten kostengünstig etwa mit Ausrüstung, Medikamenten, Nahrung oder Briefsendungen versorgt werden.

Quelle: www.microtransat.org

Weitere Artikel zum Thema:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>