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Meilensteine im Yachtbau. Teil 1 – Die „Hyperion“

Diese Artikelserie soll sich mit Yachten, Werften und den dazu gehörigen Eignern befassen, die Trends setzten und damit die Branche veränderten. Natürlich ist nicht aus jedem Splin eines Eigners ein marktbeherrschender Trend geworden, aber auch derlei Spinnereien sollen hier Erwähnung finden.
„Hyperion“ ist der Name eines Titanen aus der griechischen Mythologie. „Hyper“ wird dabei aus dem altgriechischen mit „droben“ oder „drüberhin“ übersetzt und wahrlich der Name ziert den Spiegel einer Yacht, die seit ihrer Auslieferung im November 1998 über den Dingen steht. Kurz nach der Fertigstellung habe ich eine Reportage über diese Yacht gesehen, die möglicherweise einer der Gründe dafür ist, dass ich zum Schiffbau gekommen bin.

Der Riss dieser Sloop mit Kutter-Rigg stammt von keinem geringerem als dem Team um German Frers und wurde natürlich bei Royal Huisman in den Niederlanden gebaut, der Werft, die man mit Fug und Recht als die Expertin für das Exorbitante unter Segeln ausweisen kann. Die knapp 48 m lange Sloop war die damals größte private Segelyacht der Erde und soll ca. 19 Mio Euro gekostet haben.
Ähnlich dem Yachtblick-Projekt schlägt auch die Hyperion eine Brücke zwischen der Welt des Internets und der des Segelns. Warum?
Zum einen weil ihr Auftraggeber und ehemaliger Eigner Dr. James H. Clark ist. Der IT-Milliardär, der sich selbst Jim Clark nennt, ist einer der Mitbegründer moderner Computertechnologien und vor allem der des Internets. 1982 gründete er die Firma Silicon Graphics, die durch die Entwicklung von Graphik-Chips und der entsprechenden Software den Grundstein zur 3 dimensionalen digitalen Gestaltung legte wie wir sie heute kennen. 11 Jahre später war er an der Gründung von Netscape beteiligt, einem der ersten Web-Browser, der Börsengang einige Jahre später machte seinen jüngeren Partner reich und Clark zum Milliardär. Das Unternehmen wurde 1998 zum Preis von 4,2 Milliarden mit AOL fusioniert. Zu dieser Zeit hatte sich Clark aber längst aus dem Geschäft zurückgezogen. Zeit seines Lebens Techniker und Entwickler fühlte er sich in der Welt der Vorstände und Geschäftsleute nicht wohl. Die Annalen behaupten, dass er seinen Traum von einer großen Segelyacht weit vor dem Reichtum träumte und sein Netscape Börsengang mehr oder minder Mittel zum Zweck gewesen sei endlich seine Traumyacht bauen zu können.
Der zweite Grund warum ich finde, dass diese Yacht die perfekte Brücke zwischen IT-High Tech und dem Segeln ist erklärt sich noch viel einfacher. Diese Yacht ist ein segelnder Großrechner.
40.000 Sensoren erfassen die Daten, die über 59 km Glasfaserkabel an die 20 Rechner übermittelt werden. Zur Datenausgabe dienen 24 LCD Touchscreen Monitore, die 1998 noch eine kleine Sensation waren. Die wenigsten der Sensoren dienen trivialen Aufgaben wie der Übermittlung der Temperatur im Weinkeller oder der Temperatur der Handtuchhalter in den Bädern. Die für das Segeln wichtigsten Sensoren wurden in den Carbon Mast bzw. die Spectra / Carbon Segel eingebacken. Diese und andere Sensoren sammeln alle denkbaren Daten über Wind- und Strömungsverhältnisse, die Belastung der Schoten, die Schiffsbewegungen, die Stellung und das Profil der Segel, um nur einige zu nennen. Der Computer verarbeitet diese Daten und ermöglicht es der Hyperion immer am Optimum zu segeln, in dem sie das Reffen, Setzen oder Trimmen der Segel völlig automatisch übernimmt. Woher weiß der Computer aber wann er reffen muss? Er wusste es nicht! Er hat es gelernt! Die vom Eigner eigens für die Entwicklung der Steuersoftware gegründete Firma Seascape hat ein System entwickelt, welches dafür sorgt, dass die Hyperion das Segeln mit jedem Törn und jedem Fehler besser lernt. Will man diesen Gedanken übertreiben, so ist es natürlich auch möglich die Yacht über das Internet aus dem Büro zu segeln. Jim Clark sagte nach Fertigstellung der Software: „ Ich habe noch nie so hart an etwas gearbeitet!“

Nutzlose Spinnerei! Ich könnte mir auf Basis dieser Technologie gut ein Sicherheits- und Unterstützungssystem für Charteryachten vorstellen.
Was Schiff und Eigner heute, 10 Jahre, später machen? Jim Clark hat seine Hyperion im Jahre 2004 verkauft als er sein nächstes IT-Schiff übernommen hat; die 90 m lange Athena, die amtierende Nummer 4 auf der Liste der größten Segelyachten. Die Hyperion, welche das Segeln mittlerweile eigenständig gelernt hat, war ein wahrer Abräumer bei den Yachtawards der folgenden Jahre und gewann im Februar 2000 den Superyacht Millenium Cup in Neuseeland. Die Yacht kann derzeit zum Preis von 97.000 € pro Woche gechartert werden.
Bilder: Royal Huisman

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2 Comments

  1. [...] für Megasegelyachten, um diese fernzusteuern. Auch ein interessantes Betätigungsfeld! Hyperion oder Athena Immer locker bleiben der Suchende Zitieren   + [...]

  2. Kalliey sagt:

    Wow, was es alles gibt, sensationell.

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