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Von verliebten Eignern und schicken Schiffen!

Es muss schon etwas ganz Besonderes sein, einen historischen Achter zu segeln, wenn sich eine japanische Familie eigens ein neues Schiff nach alten Plänen in Portugal bauen lässt, um einmal im Jahr nach Europa zu fliegen und dort an einer Regatta teilzunehmen. Yutaka Kobayashi aus Kobe hat genau dies getan. Und jetzt ist er wieder in Europa, freut sich, sich bei der Rolex Baltic Week vor Kiel mit seinen Klassenkollegen auf der Regattabahn messen zu können.

„Es ist ein unglaublicher Spirit unter den Achter-Seglern“, sagt Kobayashi. „Es wird durchaus anspruchsvoll gesegelt, aber doch nicht zu hart, so dass jeder gut mit seiner Familie und Freunden teilnehmen kann.“ Das Ruder auf der „Aun“ hat Ehefrau Tokiko übernommen, während Yutaka selbst auf dem Vorschiff arbeitet. Und auch die 15-jährige Tochter Asako gehört beim Euro Cup mit zur Stammcrew.

Die „Aun“ ist die jüngste Yacht auf dem Kurs, Baujahr 2005. Doch obwohl sie damit noch drei Jahre weniger auf den Planken hat als die moderne „YQUEM II“ gehört sie noch zu den klassischen Achtern. Der Grund liegt in den Bauplänen der Yacht. Bereits 1940 hatte Johan Anker das Schiff gezeichnet, gebaut wurde sie allerdings nie, zumindest bis der Achter-Sekretär John Lammerts van Bueren die Pläne in einem Museum entdeckte und schließlich Kobayashi von der Idee begeisterte, die Yacht originalgetreu nachzubauen. Vor fünf Jahren wurde aus dem Plan Realität, und seitdem begeistert sich die japanische Crew am Spaß auf dem Achter.

Sie misst sich zur Rolex Baltic Week mit zahlreichen „echten“ Klassikern und sogar Yachten der „First Rule“-Generation. Die beiden 1912 gebauten „Sposa“ und „Elfe II“ liefern sich auf der Ostsee ein Bodensee-internes Duell um die beste Yacht nach erster Bauformel. Denn beide Schiffe sind im Lindauer SC beheimatet und beide gehören zu den seltenen Achter-Exemplaren, die mit einem Gaffelrigg ausgestattet sind. „Solch ein Rigg macht zwar mehr Arbeit und lässt sich auch schwerer trimmen, aber es sieht einfach schöner aus“, erklärt „Sposa“-Eigner Richard Gervé seine Ambition, mit dem historischen Rigg unterwegs zu sein. Das hölzerne Ambiente des Mastes ist allerdings nur Schein. Denn unter dem Furnier verbirgt sich seit der Komplett-Sanierung der Yacht in 1999 modernstes Kohlefaser-Material. So ist die Yacht in ihrer Kategorie mehr als konkurrenzfähig, gewann 2007 die Vize-Weltmeisterschaft der „First Rule“.

Auch Andi Lochbrunner hat auf seiner „Elfe II“ Kohlefasermasten stellen lassen, nachdem das Schiff vor neun Jahren seinen Großmast verloren hat. „Die Achter-Formel macht keine Material-Einschränkungen, deshalb haben wir uns dazu entschlossen. Damit können wir jetzt wieder mithalten, schieben nicht so schnell Lage“, sagt Lochbrunner. Auf die seltene Takelung als Spreizgaffel-Ketsch mochte er allerdings nicht verzichten. „Ehemals hatte die ,Elfe’ noch die übliche Kuttertakelung, wurde dann aber 1935 von ihrem damaligen Besitzer umgetakelt. Seitdem ist sie mit ihren zwei Masten auf dem Bodensee bekannt, und dieses Bild wollten wir beibehalten. Außerdem lässt sich das Schiff so viel handlicher segeln“, berichtet Lochbrunner, der das Schiff vor 25 Jahren erworben hat.

Als „Rookies“ auf der Bahn sieht sich selbst die Crew der „Svanevit“. Erst seit einem halben Jahr hat Eigner Karsten Niehaus aus Köln den Messbrief in Händen. Dafür hat er die 1939 für den schwedischen Konsul Walter Edström gebaute Yacht intensiv den Klassenvorschriften entsprechend umbauen lassen. Um den ursprünglichen Charakter komplett zu machen, hat der Eigner zudem den Enkel des Erstbesitzer, Christoph Edström, in die Crew aufgenommen.

Somit segelt die „Svanevit“ fast wieder wie vor 70 Jahren, lässt sich nicht nur auf der Regattabahn bewegen, sondern ist auch mit Kojen ausgestattet, um auf eigenem Kiel von Regatta zu Regatta reisen zu können. „Das ist der historische Anspruch der Achter“, sagt Niehaus und blickt mit Respekt auf Crew der britischen „IF“. Denn deren Eigner und Bootsbauer Peter Wilson lebt diesen Achter-Anspruch in der Realität, verzichtet stets auf einen Landtransport und segelt das Schiff tatsächlich von einem Event zum nächsten – in diesem Fall von England bis nach Kiel. Wie bereits beschrieben: Es muss etwas ganz Besonderes sein, einen Achter zu segeln.

Zur Rolex Baltic Week

Mehr Bilder dieser Art finden sie auf den  Seiten von Nico Kraus Fotodesign

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