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Der America’s Cup – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft!

Da ich Montag weder Zeit noch Lust (kommt vor) hatte, mich um Yachtblick zu kümmern, habe ich nichts über die Bekanntgabe der Eckdaten des 34. AC durch die Ego-Combo Coutts/Ellison geschrieben. Auch jetzt ist das mehr eine Sache der Vollständigkeit, denn irgendwie mag ich das Thema nicht mehr so richtig – hab mein ganzes Pulver wohl beim letzten AC verschossen.

Ich habe kürzlich einen Artikel über Larry Ellison auf Spiegel Online gelesen. Seitdem sehe ich den Oracle Chef noch viel mehr als Nestbeschmutzer in unserem schönen Sport.

Zitat aus dem Artikel:

„Ellison gewann den 33. America’s Cup mit den gleichen Mitteln, die er im Geschäftsleben anwendet: den Gegner durch juristische Gefechte zermürben; den Wettkampf auf die persönliche Ebene verlagern […]“

Die Welt braucht Siegertypen und kommt nicht ohne Hardliner aus, aber ich denke es gibt bessere Wege zum Sieg.

Unabhängig von der Personalie Larry Ellison, ist der Modus in dem der nächste AC ausgetragen wird nicht der schlechteste! Ich habe mich wegen diverser Artikel länger mit der Geschichte und dem Mythos AC beschäftigt und kann sagen, dass es nicht unbedingt die Jahre der IACC-Matches sind, die große Überschriften in den Analen des AC hinterlassen haben. Der Flügelkiel der „Australia II“ oder das Miss Match aus 1988, das sind Geschichten, an die man sich erinnert. Natürlich wird das „Miss Match 2.0“ aus diesem Jahr irgendwann auch in dieser Reihe genannt werden.

Ich finde der Segelsport verträgt alle paar Jahre eine Veranstaltung, die Millionen versenkt und die Entwicklung voran treibt. Das Flügelsegel funktionieren ist schon länger bekannt, aber neuen Auftrieb (kleiner Wortwitz) hat diese Technologie erst wieder durch den letzten AC erhalten. Wenn es nach mir geht, muss der AC noch nicht mal auf One-Design Booten stattfinden.

Da ihr ja alle sicher schon die wesentlichen Eckdaten des neuen Modus kennt, will ich sie euch nur in Stichpunkten zusammenfassen.

-       gesegelt wird auf 72 Fuß Katamaranen mit Flügelsegel

-       Breite 14 m, 7.000 Kilogramm Rumpfgewicht und 11 Mann Besatzung

-       Windlimit 3-33 Knoten

-       ab 2011 wird es eine AC World Series auf 45 Fuß Katamaranen geben

-       der erste Cat dieser Art befindet sich im Bau und soll im Dezember diesen Jahres erstmalig segeln

-       2012 soll auf den 45 Fuß Katamaraen ein Jugend AC stattfinden mit U22 oder U25 Teams

Die ebenfalls von Coutts angesprochene Kostenreduktion ist reichlich lächerlich, da sie sich in erster Linie darauf stützt, dass der personelle Aufwand infolge der kleineren Crews geringer geworden ist, der 72 Fuß Cat – in ein Flugzeug passt und ein Flügel wesentlich weniger Verschleiß zeigt, als konventionelle Segel.

Der finanzielle Aufwand ist für die Herausforderer also dennoch immens und die Zeit knapp! Der Neuseeländer Grand Dalton vom Emirates Team New Zealand erwartet neben seinem Team maximal noch 5 andere Teams an der Startlinie – Coutts rechnet mit mindestens 8!

Natürlich hat sich BMW Oracle mit diesem Modus einen beachtlichen Vorteil verschafft, den Russel Coutts aber mit dem unfassbar eingehenden Argument niederschmettert, dass sein Team auch auf einem Monohull der Favorit wäre! So sieht das gesunde Rechtsverständnis eines fairen Sportsmannes aus!

Unsere Kollegen von Segelreporter.com haben Jochen Schümann dazu befragt, ob es eine deutsche Teilnahme beim 34. AC geben wird. Schümi sagte zu den Ergebnissen der Pressekonferenz vom Montag:

„Bis auf den Zeitpunkt 2013 statt 2014 gab es für mich keine Neuigkeiten. Denn die wirklich wichtige Information betrifft den Ort. Wir wissen immer noch nicht, wo der 34. America´s Cup stattfindet. Und für Sponsoren macht es einen großen Unterschied, ob der Cup in den USA oder Europa gesegelt wird. Insofern hat sich für uns nicht viel geändert.“

Von der Wahl des Bootes zeigt sich Schümi ebenso unbeeindruckt, wie vom Wettbewerbsvorteil des US-Syndikats, doch den Zeitpunkt findet er eher ungünstig: „2013 kommt für alle nicht etablierten Teams zu früh. Wer nicht das Geld im Nachttisch liegen hat, wird Probleme bekommen schon 2012 ein konkurrenzfähiges Schiff an die Startlinie zu bringen.“

Bei der Frage nach einer deutschen Teilnahme verwies er wieder auf den bis dato unbekannten Austragungsort und die damit verbundenen Sponsoreninteressen.

Das Komplette Interview können sie hier bei den Kollegen von segelreporter.com lesen.

Unser deutscher Multihull-König Roland Gäbler zeigt sich erfreut über den neuen Modus im America‘s Cup – nicht wirklich überraschend, denn warum sollte man bei einer tatsächlichen Teilnahme eines deutschen Teams ausgerechnet auf ihn verzichten:

Seine Meinung zum AC:

„Die Segelwelt muss akzeptieren dass die technischen Entwicklungen weiter gehen. Man sollte den Fortschritt nicht aufhalten. Wir stehen vor einem neuen Zeitalter in unserem Sport. Schnelle und spektakuläre Boote müssen her. Unser Sport braucht mehr Action und die neuen Boote werden ihr bestes tun um dies zu liefern.  Unser Sport braucht in einigen Bereichen eine General-Überholung. Nur so können wir die Jugend begeistern und bei den Medien wieder in die erste Liga kommen.

Ich war erstaunt wie gut man Matchracing auf Multihulls machen kann. Der Extreme40 Event in Kiel Ende August mit den vielen spannenden Matches hat gezeigt, wie spektakulär und spannend das sein kann. Mit Gennacker (Tornado) oder CodeZ (AC Yachten) beschleunigen so schnell, das es zu vielen Positionswechseln kommt. Es ist viel einfacher zu erkennen was ein Team gut oder schlecht macht. Segeln wird mit diesen neuen Booten transparenter.

Der Segelsport braucht eine Serie wie die GP Serie des Motorsports. Das ist das beste Event Format welches im Sport gibt. Jeden Monat ein Highlight.

Es wird sehr aufregend. Endlich mal etwas neues. Und….. Segelspass Pur für alle Beteiligten. Ich wünsche jede Person mal auf fliegenden Multihulls zu segeln. Es ist phantastisch. Mit den Wingsails wird man zwischen 1 und 35 Knoten segeln können. Es MUSS pünktlich gestartet werden. Das ist wichtig für die Programmmacher.“

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