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Arne Reuter! Vielleicht bald unser neuer Solo-Offshore-Held!

Ich habe hier vor knapp einem Jahr einen Artikel über das Projekt von Arne Reuter – Open60ctg.de veröffentlicht. Arne hatte versucht über sogenanntes “crowdfunding”, also mit Hilfe von vielen kleinen Sponsoren/Fans eine Vendée Globe Kampagne zu finanzieren. Meine Meinung zu dieser Sache findet ihr in dem “alten” Artikel.

Vor ein paar Tagen habe ich mit Arne telefoniert und mit ihm über seine Pläne gesprochen. Als Ergebnis dieses Telefonats habe ich mit Arne ein kleines Interview per Mail geführt:

Yachtblick: Hallo Arne! Wie du weißt, haben wir vor einem Jahr über dich und dein Projekt berichtet. Was ist aus open60ctg.de geworden?

Arne Reuter: Die Open60ctg.de gibt es nach wie vor. Dieses Projekt hat jetzt aber ein anderes Motto. Es gibt eine Umweltkampagne mit dem Namen 350.org – diese setzt sich für eine Reduzierung von CO2-Emissionen ein. Die Zahl 350 kommt von 350 ppm, welches das Höchstmaß von CO2 ist, das unsere Atmosphäre tragen kann.

Für uns Segler ist eine intakte Umwelt für die Ausübung unseres schönen Sports elementar wichtig. Es ist mir ein Bedürfnis auch einen kleinen Teil zur Lösung von unserem Umweltproblem beizutragen, deshalb möchte ich gerne das 350.org Logo auf eine Open 60 kleben und dieses entweder beim Barcelona World Race oder der Velux 5 Oceans einmal um die Welt segeln.

Yachtblick: Waren deine Bemühungen erfolgreich?

Arne Reuter: Meine damaligen Bemühungen waren wenig erfolgreich. Als ihr über das “crowdfunding” geschrieben hattet war mir schon klar, dass es bestimmt nicht leicht wird eine Open60 Kampagne auf den Weg zu bringen. Es ist jedoch noch schwieriger als ich dachte. Ich wollte eigentlich damit bewirken, dass sich die deutsche Seglerwelt mit diesem Projekt etwas identifizieren kann und mit hilft die erste deutsche Vendee Globe Teilnahme zu ermöglichen.

Yachtblick: Wie war damals das Pressecho auf deine Aktion?

Arne Reuter: Das Presseecho war sehr bescheiden. Bis auf eine kleine Randnotiz gab es keine Reaktion von der Presse. Der eine oder andere Redakteur sagte mir nur, dass, wenn ich es tatsächlich schaffen sollte eine Vendee Teilnahme auf die Beine zu stellen, würde er mich gerne redaktionell begleiten. Dies finde ich schon etwas tragisch, da Deutschland ja leider keine großen Regatta-Hochseesegler hat, sollten alle Kräfte mobilisiert werden um dieses zu ändern. Wenn Marketingverantwortliche in Unternehmen sehen würden, dass der Segelsport interessant für die Menschen ist, würden diese auch dafür Mittel freimachen.

Yachtblick: Siehst du rückblickend irgendwelche Fehler?

Arne Reuter: Naja, Fehler würde ich nicht gerade sagen. Es war/ist ein Lernprozess, ich lerne immer. Ich habe gelernt, dass sich das “crowdfunding” in Deutschland nicht lohnt.

Als der Irakkrieg damals ausgebrochen ist, habe ich noch in Kiel studiert. Ich hatte bei der Stadt eine Demonstration angemeldet und zu einer Lichterkette an der Kiellinie aufgerufen. Es kamen zahlreiche Menschen mit Ihren Kerzen und sogar ein Kirchenchor. Dies war ein solch erhebendes Gefühl, dass die Menschen sich vereinigen um etwas zu bewegen. Ich dachte dies sei vielleicht auch auf den deutschen Segelsport übertragbar.

Ich habe auch gelernt, dass wir hier in Deutschland sehr gute und zukunftsträchtige Technologien haben, uns das Ausland jedoch in Punkto Bau und Konstruktion von Hightech-Rennyachten samt Zubehör schon längst mehr als überholt hat. Somit können hier auch keine neuen Arbeitsplätze entstehen und auch kein Knowhow gesichert werden.

 

Yachtblick: Was wirst du zukünftig anders machen?

Im Moment versuche ich Mitglieder (bis jetzt sind es schon über 100 auf der Facebook-Seite) für die 350 Sailing Challenge zu finden. Hier würde ich gerne so viele Unterstützer wie nur möglich finden, dass sich das Projekt entweder durch das “crowdfunding” finanzieren lässt oder ein Unternehmen aus der Umweltbranche (z.B. Solar, Windkraft) für sich eine Chance sieht mit dem Sponsoring genau seine Zielgruppe zu erreichen. Ich habe auch schon eine Anfrage aus den USA bekommen, über die 350 Sailing Challenge eine TV-Docu zu drehen. Das Motto von 350.org für das Jahr 2010 ist “Get To Work”!

Yachtblick: Wie sieht dein seglerischer Lebenslauf eigentlich aus?

Arne Reuter: Mein Vater hat viel im Ausland gearbeitet, deshalb bin ich in verschiedenen Ländern aufgewachsen. Ich konnte somit keine klassisch deutsche Seglerlaufbahn durchleben. Angefangen zu Segeln habe ich im Indischen Ozean – in Colombo (Sri Lanka). Dort gibt es zwei Yachtclubs, den Ceylon Motor Yacht Club und den Royal Colombo Yacht Club, in denen drei Jollenregatten pro Woche gesegelt wurden. Nach Sri Lanka zogen wir dann nach Dar es Salaam (Tansania), dort im Dar es Salaam Yacht Club segelten wir zwei Laser-, eine Katamaran- (Nacras und Darts) und eine Fahrtenyachtregatta pro Woche. Zudem sind wir noch Wettfahrten wie zum Beispiel um Sansibar oder von Dar nach Tanga gesegelt. In Afrika bin ich vor der Küste Mombasas (Kenia), Ostafrika Laser Jugendmeister geworden. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland bin ich hier Laserregatten gesegelt, bis zu einer Talentsichtung von Daimler Benz. Daimler hatte damals das Projekt Aerosail ins Leben gerufen und hat nach jungen Seglern gesucht. Dies waren sehr lehrreiche Jahre für mich, da unser Trainer kein geringerer als Jochen Schümann war. Wir segelten damals Mumm36 Yachten. Nach dem Abi und Aerosail habe ich bei North Sails eine kaufmännische Lehre absolviert und habe mich vermehrt dem Windsurfen gewidmet. Mein späteres Studium habe ich unter anderen durch diverse Skipperjobs finanziert, wie zum Beispiel für Windbeutel Reisen.

Yachtblick: So lieber Leser, wenn ihr jetzt noch Fragen an Arne und sein Projekt habt, bitte ich euch die Kommentarfunktion zu benutzen, um sich mit Arne zu unterhalten.

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