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Jens Westerbeck aka “Nick de la Mooring” hat ein Buch geschrieben! Boatpeople!

Wenn Sie in der Yachtbranche unterwegs sind und Ihnen der Name Jens Westerbeck bekannt vorkommt, dann liegt das nicht unbedingt daran, dass er gerade ein Buch veröffentlicht hat oder Skripte für Atze Schröder schreibt. Jens war als Broker für das Italian Yacht Centre unterwegs und damit der Mann in Deutschland für die großen Italiener wie Pershing, Ferretti, Mochi Craft und Pegiva.

Mein Engagement für eine aufstrebende deutsche Werft geht mittlerweile in die dritte Woche und die Anzahl der hier erscheinenden Artikel hat sich seitdem erheblich dezimiert.  Tut mir leid! Lässt sich aber nicht ändern, da es offensichtlich unmöglich ist jemanden zu finden, der mich hier unterstützt. Trotzdem habe ich irgendwie die Zeit gefunden, dass Erstlingswerk von Jens Westerbeck zu lesen. Ich kann mich an kein Buch erinnern, dass ich in kürzerer Zeit gelesen habe ohne im Urlaub oder krank zu sein.

Nick weist eingangs darauf hin, das Marcel Reich-Ranicki aus Respekt vor dem Schriftsteller ein Buch nur  im Anzug liest und fordert seine Leser auf, sein Buch ausschließlich nackt zu lesen … ich habe seinen Vorschlag natürlich beherzigt und diesen noch um Campari-Orange ergänzt – das Lieblingsgetränk des Protagonisten.

Das Buch erzählt die Geschichte eines desaströsen Lebens in der Luxusindustrie, bestehend aus Koks, Nutten und pornösen Motoryachten. Nick reflektiert dabei aber auch sehr stark auf das was er da tut und liefert so auch ein paar Hinweise, wie man als Mensch mit Verstand in dieser Branche überleben kann.

Die Figur Nick de la Mooring ist trotz des Themas sehr authentisch, woraus sich die ganze Zeit die Frage ergibt, was wahr ist und was Fiktion. Der letzte Satz der Danksagung beantwortet die Frage nur zum Teil und das ist gut so, denn ganz genau will man es gar nicht wissen.

Das Buch gibt es natürlich bei Amazon!

Hier gibt es ein Video in dem Jens Westerbeck den folgenden Text auch vorliest!

Leseprobe:

Hi. Mein Name ist Nick de la Mooring.
Aber die meisten Leute nannten mich einfach Nick. Wurde ich doch mal mit vollem Namen angesprochen, stand ich entweder auf einem Polizeirevier oder ein Mann mit mindestens fünfzig Millionen Euro Privatvermögen rief mich zum ersten Mal an. Für beides standen die Chancen nie schlecht, denn ich war ein Yachtbroker.

Knapp zehn Jahre verkaufte ich Luxusyachten für eine der größten Schiffswerften weltweit. Diese Werft produzierte an zweiundzwanzig Standorten, beschäftigte dreitausend Mitarbeiter direkt und gab weiteren zweitausend Menschen in der Zuliefererindustrie ihr täglich Brot. Allein in Italien gibt es fünftausend Werften. Manche davon produzieren nur ein Boot im Jahr, zum Beispiel ein Fischerboot, andere produzieren ein Jahr später Käse oder Parmaschinken, egal was, auf jeden Fall keine Boote mehr. So waren wir nicht.

Wir waren die Größten. Wir waren der Rolls-Royce unter den Limousinen, das Aqua di Parma unter den Düften, das Kelly Bag unter den Handtaschen, der Todd’s unter den Schuhen, die Rolex unter den Uhren, die Julia Roberts unter den Edelnutten.

Wir waren Gott. Selbstherrlich, unfehlbar und unerklärbar. Die Preise unserer Schiffe begannen bei zwei Millionen Euro netto und endeten um fünfzehn Millionen Euro, auch netto. Dazu kam noch die Umsatzsteuer. Eine Yacht kostete bei mir im Schnitt also fünf Millionen Euro plus eine knappe Million Umsatzsteuer.
Das machte sechs Millionen Euro, um ein paar Zentimeter mangelnder Körper- oder Schwanzlänge zu kompensieren.
In Deutschland gibt es gut fünftausend Personen, die Yachten in der Preisklasse von zwei bis fünfzehn Millionen Euro kaufen, aber nur tausend, die es sich leisten können. Davon kannte ich siebenhundert persönlich, hatte von fünfhundert die private E-Mail-Adresse und von dreihundert die geheime Mobilfunknummer, gut hundert von ihnen verkaufte ich in den letzten zehn Jahren ein Schiff . Außerdem vögelte ich von dreißig die Assistentin, von fünfzehn die Tochter und, sofern sie noch vorhanden waren, einige Ehefrauen. Einmal gelang mir sogar das Kunststück, mit Mutter und Tochter ins Bett zu steigen.
Das war normal in meiner Branche und gehörte zur Grundausbildung eines erfolgreichen Luxusyachtverkäufers. Ich war einer der Jüngsten. Ich war einer der Besten. Ich war inmitten der wohl schillerndsten, extrovertiertesten, luxuriösesten und undurchsichtigsten Branche dieses Planeten, der nur ganz kurz nach der Geschichte, die ich Ihnen erzählen will, auf der Intensivstation lag und leider genau von den Leuten behandelt wurde, die ihn dorthin gebracht hatten.
Diese Leute waren meine Kunden, meine Freunde. Wer im Schnitt fünf Millionen Euro für ein nutzloses Boot bei mir ausgab, hatte zuvor bereits 250.000 für Schmuck, eine Million für Autos, vier Millionen für ein Flugzeug und fünfzehn Millionen für Immobilien springen lassen. Nach so einem Exzess setzen Sie mit einer Luxusyacht das Ausrufezeichen hinter Ihre ganz persönliche Verschwendungssucht.
Was ich damit sagen will: Mit einer Yacht verbrennen Sie Geld. Wer Geld verbrennt, fühlt sich normalerweise schuldig. Ich sorgte dafür, dass meine Kunden sich gut fühlten. Mit Nutten, Kokain und falschen Treueschwüren. Ich ging mit ihnen einen Pakt ein. Einen teufl ischen Pakt. Nehmen Sie mich als Ausgeburt einer Zeit, die uns für immer als Dekade sinnloser Verschwendung, unglaublicher Reichtümer Einzelner und zockender Investmentbanker in Erinnerung bleiben wird, in der Staaten mit den Steuergeldern ihrer Bürger eine Welt retteten, die es so nie hätte geben dürfen. Millionen von Menschen mussten mit ihren Arbeitsplätzen, ihrem Ersparten und ihrer Altersvorsorge die verlorenen Wetten derjenigen bezahlen, die aufhörten Champagner zu trinken, weil es ihnen mehr Spaß machte, sich damit zu bespritzen: der Boatpeople.
Ich bin nicht mehr dabei. Diese Geschichte erzählt Ihnen die letzten neunundzwanzig Stunden meines Lebens als Yachtbroker!
Nick de la Mooring.

One Comment

  1. toller abend im Grill – busse ableisten ab morgen !
    jeannot

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