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Motorisierte Kohle!

Ein Erfahrungsbericht aus den heiligen Hallen von Marström Composites!

Zum erfolgreichen Abschluss meines Studiums gehört ein achtwöchiges Fachpraktikum. Da ich mich in Fachrichtung Leichtbau spezialisieren möchte, habe ich mich auf die Suche nach einem Kohlefaser verarbeitenden Unternehmen gemacht. Nach einiger Recherche bin ich auf die Firma “Marström Composites AB” in Schweden gestoßen. Marström baut, neben Teilen für Flugzeuge und Motorboote, alles was das Seglerherz begehrt. Bekannt wurde die Firma durch ihre hochqualitativen Tornados und Yacht-Zubehör wie, Kohlefasermasten, Steuerräder, Ruderblätter und Schwerter. Besonders erfolgreich ist die Firma derzeit mit dem Bau von Extreme 40 Katamaranen für den iShares-Cup.

Nach einer Woche praktischer Übung an Kleinteilen wurde ich vom Werkstattleiter gefragt, ob ich nicht Lust hätte, an einem richtigen Boot zu arbeiten. So kam es, dass ich am Prototyp des Marström-Rib mitbauen durfte. Die Formen für das Boot waren schon vorhanden und wurden vom Formen-Departement Marströms selber gebaut, auch der Rumpf war bereits fertig, lediglich die Fertigung des Decks stand noch aus. Die Marström Ingenieure haben sich hier für eine Sandwich-Bauweise in Kohle und Nomex (Kevlar-Honigwaben) entschieden. Der leichtesten und steifsten Versuchung seit es Composite gibt.

Bei dem Deck wurde zuerst weißes Gelcoat aufgetragen, was in diesem Fall die Nachbearbeitung und Lackierung vereinfachen sollte. Nach einem recht aufwändigen Laminierplan haben wir dann drei Tage lang Prepregs in die Formen geklebt. Der Aufbau bestand aus verschiedenen Kohlegewebearten mit unterschiedlichen Stoffdichten. Hier wurde besonderer Wert darauf gelegt, das Motorboot an den weniger beanspruchten Stellen, so leicht wie möglich und an den höher beanspruchten Stellen, so fest wie nötig zu bauen.

Ein spannender Teil war die Nomex Verarbeitung. Zum einen mussten die Kanten der Nomex-Platten angeschrägt werden, um einen besseren Übergang zum restlichen Kohlegewebe herzustellen, zum anderen wurden zusätzliche Epoxidharzschichten eingefügt um eine optimale Einbindung der Honigwaben zu schaffen. Im finalen Arbeitsschritt wurde das ganze Deck Vakuum-verpackt und für zwei Stunden bei 125 Grad in einer Autoklave gebacken. Dieser Arbeitsschritt ist, neben einer guten Rohstoffwahl, für die hohe Qualität der ganzen Struktur verantwortlich. Im der Firmeneigenen Lackiererei gab es dann das obligatorische Hochglanzfinish, zusammen mit einigen aggressiv-roten Designelementen.

Die Eckdaten des Ribbs: 227 kg Rumpfgewicht, 57 Knoten max.speed, 220 ps! Der stolze Preis: 109.000 Euro ohne Mehrwertsteuer – Kaufanfragen an mich =)

Leider war meine Zeit bei Marström noch vor der Probefahrt zu Ende. Eine Woche nach meiner Rückkehr aus Schweden erhielt ich folgenden Sms von einem Teammitglied: “Dude, we just tested the Rib… 35 knots at half throttle and it doesn’t make a f***ing sound. Amazing!!!”

Und wir sahen, dass es gut war.

Dieser Artikel wurde von meinem Kommilitonen Rico Kühlewind geschrieben. Rico ist Laser-Segler und hat auch im Offshore Bereich bereits einige Erfahrungen sammeln können. Er war so freundlich uns diesen Artikel über seine Zeit in Schweden zu schreiben.

One Comment

  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Tommy & Christoph, Rostock-Blogs.de erwähnt. Rostock-Blogs.de sagte: Motorisierte Kohle! http://bit.ly/80FkyA […]

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