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Meilensteine im Yachtbau – Teil 4. SWATH – Yachten!

Ich gebe es zu, ich habe einen Febel für „komische“ Yachten. Yachten, die irgendwie anders sind. Yachten, denen man die Experimentierfreudigkeit der Eigner ansieht. Ich habe auf diesem Blog bereits Lobreden über Jim Clarks segelnden Computer oder die X-Bow Trendsetter geschrieben. Natürlich ist nicht jede Neuerung automatisch etwas Gutes. Die als Proa gestaltete „Asean Lady“ würde ich aus ästhetischem Grund nicht in meine persönliche Liste von Traumschiffen aufnehmen.

Kommen wir nun also zu einem weiteren Rumpf, der kürzlich Einzug in die Yachtbranche gehalten hat, dem SWATH Rumpf. Dieses Rumpfkonzept ist mir schon länger bekannt, denn es konnte erfolgreich in der Berufsschifffahrt eingesetzt werden. Leider zeigt das Prinzip gerade hier seine größten Schwächen, weshalb sich für mich immer die Frage stellte, wann es im Yachtbau endlich Anwendung findet.  Wie soll ich sagen – mein Flehen wurde erhört =)

Aber ersteimal zur grauen Theorie und Geschichte:

SWATH steht für: „Small Waterplane Area Twin Hull“ und wurde 1938 von Frederick George Creed der britischen Marine vorgestellt. 1946 wurde seine Entwicklung dann amtlich anerkannt und er bekam ein britisches Patent. Hauptmerkmal von SWATH Schiffen sind zwei torpedoförmige Autriebskörper, die sich unterhalb der Wasseroberlfäche befinden und nur durch dünne Stege mit der Plattform verbunden sind. Diese Bausweise ist noch am ehesten mit der von Katamaran vergleichbar, was auch zu der Bezeichnung „semi submerged catamaran“ führte.

Der Vorteil dieses Systems ist, dass SWATH Schiffe auch bei rauer See sehr ruhig im Wasser liegen. Die Minimierung der Vertikalbewegung des Schiffes ist auf die Tatsache zurück zu führen, dass die Amplituden der Wasserwellen exponentiell mit der Tiefe abnehmen. Das dieser Fakt gerade in der Yachtindustrie von Vorteilen ist, da er Seekrankheit nahezu verhindern kann, dürfte einleuchten.

Leider hat jede Medaille zwei Seiten und so ist auch die SWATH-Technologie nicht über alle Zweifel erhaben. So verhält sich das ganze System im Wasser wie eine sehr weiche Feder. Wasserwellen werden  problemlos kompensiert, aber Impulse, die vom Schiff selbst ausgehen, schlagen sich dafür entsprechend stark auf die Schiffsbewegung nieder ( das war jetzt der Versuch das Problem sehr anschaulich zu beschreiben ). Wenn der Führer eines SWATH – Schiffes also den Hebel auf den Tisch legt oder stark Ruder legt, dann reagieren diese Rümpfe entsprechend stark. Natürlich kann diesem Problem in Fahrt mit aktiv gesteuerten Flossen begegnet werden. Im folgenden Video sind diese Schiffsbewegungen sehr gut zu sehen, leider spricht der Mann weder Deutsch noch Englisch, aber darauf kommt es auch gerade nicht an:

Aufgrund des Archimedischen Prinzips ist der Auftrieb bei geringem im Wasser befindlichem Volumen natürlich nicht allzu groß, eben auf das Gewicht des Schiffes angepasst. Das schlägt sich natürlich negativ auf die Beladungseigenschaften nieder. Große Variabilität in Bezug auf die Zuladung kann man daher von einem SWATH-Schiff nicht erwarten, aber wer  will in seinem Salon auch Kohle und auf seinem Helipad einen Container transportieren. In gewissen Grenzen kann diesem Problem natürlich mit Ballasttanks begegnet werden. Zusammengefasst kann man also sagen, dass ein SWATH-Schiff niemals die Eierlegende-Wollmilchsau sein kann, aber die angepeilten Aufgaben hervorragend erfüllt werden und darum geht es ja gerade bei Yachten.

Die Firma Abeking & Rasmussen hat kürzlich die erste ( ernst zunehmende ) private SWATH Yacht gebaut. Nach Anfrage, ob man mir Informationen und Bilder über diese Yacht zukommen lassen könnte, bekam ich nach einiger Zeit eine umfangreich gefüllte Mappe von der Werft mit einem freundlich Brief, der mich darauf hinwies, dass man mir natürlich nicht allzu viel sagen kann. Klar – die Branche lebt schließlich von der Diskretion. Abeking & Rasmussen muss hier allerdings lobend hervorgehoben werden, denn wie ich  während meiner Recherchen zu anderen Artikeln leider feststellen musste, bekommen sehr viele Werften eine anständige Kommunikation nicht auf die Reihe.

Was in der Mappe, welche ich bekommen habe drin stand? Davon werde ich im zweiten Teil zu diesem Thema berichten.

Bildquelle: www.wikipedia.de

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