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RADAR vs. AIS! Teil 1!

 

Beim Yachtkauf oder einem Charterabschluß rückt die Navigationsausrüstung unberechtigterweise oft sehr weit in den Hintergrund. Dabei sind dies ohne Zweifel Geräte, die Sicherheit, Fahrtgebiet der Yacht und letztlich auch die Freude am Segeln oder Motorbootfahren deutlich erhöhen können. Ich bin daher der Meinung, sich etwas gründlicher mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Systeme auseinanderzusetzen.
In meinem letzten Blog-Artikel schrieb ich bereits über die Vorzüge von AIS auf Sportbooten. Allerdings ist es eine viel ältere Erfindung, die Navigation und Kollisionsverhütung auf See schon vor Jahrzehnten revolutioniert hat: RADAR. (Radio Detection and Ranging)
Auf ausrüstungspflichtigen Berufsschiffen ist es verbindlich und auch auf vielen Yachten ist es kaum noch weg zu denken, zumal brauchbare Geräte mittlerweile sehr günstig zu bekommen sind. RADAR hilft dem Navigator zuverlässig dabei, die Lage anderer Schiffe in Relation zum eigenen Fahrzeug einzuschätzen. Mittels Peilungen und dem Messen von Abständen zu Landmarken lässt sich relativ einfach und genau die eigene Schiffsposition bestimmen und das auch ohne optische Sicht oder GPS.
Funktionserweiterungen wie ARPA (automatic radar plotting aids) berechnen automatisch die tatsächliche Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit umliegender Schiffe, Nahbereichssituationen oder gar drohende Kollisionen werden anhand von CPA und TCPA Anzeigen, bzw. einer vektoriellen Darstellung auf dem Bildschirm rechtzeitig erkannt.
Manch AIS-Nutzer wird sagen, dass AIS das sogar noch viel besser kann, insbesondere da die AIS Reichweite der von RADAR deutlich überlegen ist. Als weiterer Vorteil kann ebenfalls die Eigenschaft gelten, dass zumindest AIS Class A Geräte in „real time“ arbeiten, während RADAR seine Informationen immer nur aus Vergangenheitswerten ermittelt und damit einer erheblichen Verzögerung ausgesetzt ist.
Kursänderungen „gegnerischer“ Fahrzeuge können damit deutlich schneller erkannt werden, als auf dem RADAR. Damit nicht genug, Class A Geräte übertragen zusätzlich Informationen zur Drehrate (Rate of Turn),  zeigen anderen Empfängern also an, wie schnell ein Schiff seinen Kurs ändert. In zehn Meilen Entfernung mag das eher uninteressant sein, bei komplizierteren Verkehrssituation kann diese Information aber sehr wertvoll werden.

Schön und gut. Die Sache hat allerdings einen entscheidenden Haken: Bei der Nutzung von AIS darf man sich nicht nur auf die Zuverlässigkeit der eigenen Technik verlassen, auch die der anderen Fahrzeuge muss einwandfrei funktionieren. Im Klartext bedeutet das, wenn ein anderer AIS-Sender falsche oder gar keine Daten aussendet, dann werden auf dem eigenen Gerät diese falschen Daten angezeigt, bzw. es herrscht dort Leere, wo sich eigentlich ein großes Objekt befinden sollte.
Woher weiß ich eigentlich, dass der eigene AIS-Empfänger überhaupt noch arbeitet, wenn weit draußen auf dem Ozean sowieso keinerlei AIS Stationen in Reichweite sind?  Ist die Software vielleicht schon abgestürzt und verpasst es somit mich vor einer drohenden Kollision zu warnen?
Fragen mit denen sich ein Benutzer von RADAR nicht unbedingt herumplagen muss. Zwar sollte er seine ihm dargestellten Informationen auch stets kritisch auswerten, aber im Gegensatz zu AIS, kann er relativ schnell überblicken, ob sein RADAR richtig funktioniert. Wenn Seegangechos empfangen werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein großes Schiff bei Eintritt in den Empfangsbereich angezeigt wird,  sehr groß.
Um Werte wie CPA und TCPA zu ermitteln, ist der Radar-Nutzer von keinerlei Aussendung des gegnerischen Fahrzeuges abhängig, es muss lediglich durch seine bloße Existenz die ausgesendeten Radar-Wellen reflektieren. Zwar benötigt das eigene Radar zur Ermittlung der oben genannten Werte als Eingangsparameter die eigene Schiffsgeschwindigkeit, sowie den eigenen Kurs, welche ebenfalls fehlerbehaftet sein können, dennoch können diese durch Kontrolle bzw. kritische Hinterfragung des Benutzers weitgehend ausgeschlossen werden.

… Fortsetzung morgen in Teil 2! Teil 1 dieser Serie “Lohnt sich der Einbau von AIS auf einer Yacht” finden sie hier

Grüße aus China sendet euer Kapitän Johannes

Bildquelle: Wikipadia/Radar

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