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März, 2012:

Golf von Aden achteraus – MS Tûranor PlanetSolar ist durch!

An die Yachtblicker,

Nach 30 Tagen Angst vor Piraterie haben wir sicher die 17° Nord im Roten Meer erreicht. Wir befinden uns östlich vom Sudan, mit Kurs auf den Suez Kanal. Wenn ich auf die letzten Wochen zurückschaue, liegen hinter uns Wochen voller Spannung, Angst und Unsicherheit.

Am 05.02 13.00 Uhr hieß es in Abu Dhabi Leinen los. Die Sonne steht gut und der Wind weht schwach aus NO. Es hatte den Anschein, als liegt eine von vielen gewöhnlichen Etappen vor uns, um die Turanor ein Stück dichter an Monaco zu bringen – doch der Anschein trügte. Wenn man in die Gesichter der Crew schaute, sah man einen Ausdruck von Ungewissheit und Angst. Beim genaueren betrachten der Yacht kann man sehen, dass die Turanor mit einer Barriere aus Stacheldraht verkleidet wurde, die Crew mit kugelsicheren Westen, sowie Helm ausgestattet wurde und sich eine Spezialeinheit von der Sicherheitsfirma G4S an Bord der Turanor verschanzt hat. Desweiteren hat der erste Kapitän der Turanor, Patrick Marchesseau, das Ruder für diese gefährliche Etappe übernommen, da er bereits 2008 von Piraten entführt wurde und bei einer abenteuerlichen Geldübergabe freigekommen ist, somit also über die nötige Erfahrung für die kritischste Etappe auf unserer Weltreise verfügt.

Wir verließen den Hafen von Abu Dhabi, um durch den Golf von Aden nach Djibouti und dann ins Rote Meer zu gelangen. Das Problem in diesem Gebiet – Piraten aus dem 20sten Jahrhundert, die ihre Säbel gegen automatische Waffen und Panzerfäuste getauscht haben. Sie haben ihren Ursprung in Somalia, wo sie einst als Fischer ihren Lohn verdienten. Nach der Überfischung der Weltmeere gehen ihnen jetzt vorwiegend Tanker, Containerschiffe und Privatyachten ins Netz. Und es lohnt sich für die somalischen Seemänner. Für eine gekaperte Yacht verlangen sie zwischen 750.000 und 3.000.000 Euro, je nach Herkunft, Größe und Anzahl der Crew.

Unser Trip war 2200nm lang – von Abu Dhabi bis 17° Nord im Roten Meer. Davon befinden wir uns 1700nm in der High Risk Area und 1400nm im Brennpunktbereich, was uns genug Grund zur Sorge gab. Der Ex Armeechef der Schweiz, Christophe Kekeis, sagte im Interview, dass die Turanor Planetsolar von einer 90% Sicherheit ausgehen muss, angegriffen zu werden und zum sogenannten “Catch of the Year” für die Piraten zählt. Fast der komplette nördliche Indische Ozean wurde vor ein paar Jahren zur High Risk Area erklärt, doch der Brennpunkt ist der Golf von Aden. Dort spricht man schon in Fachkreisen vom Kriegsgebiet. Unsere größte Schwäche im Kampf gegen die Piraten war unsere Geschwindigkeit von etwa 5kn, was das Kapern der Yacht sehr vereinfachen würde. Die zu empfehlende Mindestgeschwindigkeit im Golf von Aden liegt bei 18kn!!

Wir waren nur 4 Wochen in der High Risk Area, aber es kam uns vor wie eine halbe Ewigkeit. Alle von uns waren zu jeder Sekunde konzentriert, denn wir durften uns keine Fehler erlauben. Die Aufgabe für die Crew bestand darin, alle Bewegungen von Booten aufzuzeichnen, auszuwerten und Fischer von Piraten zu unterscheiden. Wir hatten alle möglichen Situationen im Vorfeld durchgespielt, doch es war einfach nicht das Gleiche wie im Training. Wir hatten einige Situationen dabei, in denen wir uns Gefechtsbereit machte und die Präsenz der Waffen aufzeigen mussten. Zum Glück kam es jedoch nie soweit, dass die Waffen benutzt werden mussten, dieses hing auch mit unserer ausgezeichneten Zusammenarbeit mit der französischen Marine, der Bundespolizei und allen vor Ort stationierten Kriegsschiffen zusammen. Jeden Tag bauten wir den Kontakt zu Kriegsschiffen auf, kurz vor Sonnenuntergang wurde unser Gebiet von Hubschraubern der deutschen, französischen und japanischen Marine nach möglichen Piraten-Schiffen abgesucht. Doch all dies gibt keine 100% Sicherheit. Während wir den Golf von Aden durchquerten wurden 3 Schiffe von somalischen Piraten geentert und vor die somalische Küste verschleppt, wo nun Lösegeldforderungen gestellt werden.

All das liegt jetzt hinter uns und wir können mit einer großen Erleichterung sagen, dass die Turanor das erste Solarboot ist, welches den Golf von Aden durchquert hat. Nun können wir uns wieder auf unsere eigentliche Expedition konzentrieren, welche uns unter anderem in die Fußstapfen von Jacques-Yves Cousteau und seine alte Unterwasserstadt führte.

Grüße Jens

Darßer Ort versandet – Theo Fischer zurück in Warnemünde!

Die offizielle Bekanntmachung des WSA Stralsund bei ELWIS ist vom 09.03.12, trägt die Bekannmachungsnummer 31/12 und enthält den Text:

Aufgrund starker Eintreibungen ist das Fahrwasser – Zufahrt Nothafen Darßer Ort – bis auf weiteres für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Das Leitfeuer wird bis auf Widerruf abgeschaltet. Die Molenfeuer und die Leuchttonne „Darßer Ort 1“ bleiben als Orientierungshilfe für den Seenotkreuzer in Betrieb. Die Tonnen 2 und 4 sowie die zeitweilig ausgelegte Tonne DO S werden eingezogen. Die Bekanntmachungen für Seefahrer (T)36/2011 und (T)37/2011 sind hiermit aufgehoben.

Theo Fischer

So nüchtern klingt es wenn Land und WWF über die Sicherheit von Seeleuten im am meisten befahrenen Gebiet der Ostsee streiten. Der vor Ort stationierte Rettungskreuzer Theo Fischer ist mittlerweile zurück in Warnemünde. Ich beschäftige mich schon so lange mit dem Thema, dass mir mittlerweile sogar die Motivation abgeht irgendwen öffentlich zu beschimpfen. Die größte bisherige Leistung der sich hier gegenüber stehenden Parteien ist mit dem Finger auf die jeweils andere Seite zu zeigen. Großartig – andere Menschen haben dieses Verhalten im Sandkasten gelassen.

In der Seefahrt ist man bis heute sehr abergläubisch und jeder Seemann weiß das Neptun und der Klabautermann ziemlich nachtragend sein können. Liebe WWF Aktivisten, Politiker und Gemeinderäte … ich wäre an eurer Stelle ja schon in der Badewanne vorsichtig!

Im THB findet sich heute ein kompakter und dennoch umfassender Abriss zu den aktuellen Entwicklungen vor Ort, der auch das Thema Inselhafen vor Zingst kurz anreißt.

Auszug: “Nach Angaben des Verkehrsministeriums ist die Finanzierung einer neuerlichen Ausbaggerung bereits gesichert. Wegen des Vogelzugs könne aber erst im Mai damit begonnen werden. Es seien noch weitere Gespräche mit Umweltschutzverbänden vereinbart.
Der Umweltverband WWF, seit 1993 Betreiber des Hafens, reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung. “Wir haben eine gerichtliche Einigung mit dem Ministerium, dass die Ausbaggerung 2009/2010 die letzte war”, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp.”