Mit der Rückkehr der „Dagmar Aaen“ in den Flensburger Museumshafen endet die diesjährige Expedition „Grönland Nordost“ von Arved Fuchs. Hauptziel der Unternehmung war das Aussetzen einer Funkboje auf einer kompakten Eisscholle. Fuchs schickte diese mit einem Sender versehene Boje Mitte August an der Nordostküste Grönlands auf die Reise. Auf seiner Homepage kann der Weg dieser „digitalen Flaschenpost“ verfolgt werden.
Obwohl diese Aktion keinen unmittelbar wissenschaftlichen Hintergrund hat, kann auf diese Weise eindrucksvoll die Drift der Eisfelder entlang der grönländischen Ostküste für jeden Interessierten nachvollzogen werden. Zudem dient sie als Signal, um in Hinblick auf die im Dezember im südafrikanischen Durban stattfindende Klimakonferenz die Öffentlichkeit für den
Klimawandel zu sensibilisieren.
„Nichts ist mehr so wie es mal war“, analysiert Fuchs nach seiner Rückkehr aus Grönland, „der Klimawandel verändert den gesamten arktischen Raum in geradezu atemberaubendem Tempo. Am Nordpol bricht das Eis auf und treibt in Regionen, die zuvor als eisfrei galten. Die alten Gesetzmäßigkeiten scheinen außer Kraft gesetzt zu sein!“

Dagma Aaen - Copyright Arved Fuchs Expeditionen
In diesem Sommer gab es nach Aussage von Professor Lars Kaleschke von der Universität Hamburg auffällig große eisfreie Flächen innerhalb des Packeises. Betrug die Dicke der Eisfläche im Jahr 2001 noch zwei Meter, so ergaben Messungen in diesem Jahr einen Rückgang auf 90 Zentimeter. Zudem driftet Meereis in eisfreie Regionen des Nordpolarmeeres, wo die Wassertemperaturen wegen der Einstrahlung ein schnelleres Abschmelzen der Schollen verursachen.
In diesem zurückliegenden Sommer ist die Eisdecke des Arktischen Ozeans laut neusten Satellitenbildern noch unter das bisherige Rekordminimum aus dem Jahr 2007 gefallen. Die Eisfläche hatte sich in den vergangenen 30 Jahren halbiert: von rund acht Millionen Quadratkilometern Anfang der 80er-Jahre auf gut vier Millionen im Jahre 2007. Etwa die vierfache Fläche der Bundesrepublik Deutschlands ist in diesem Sommer an Packeis abgeschmolzen. Zum zweiten Mal in der Geschichte sind die legendären Nordwestpassage und die Nordostpassage für die die Schifffahrt problemlos zu befahren. Neue wissenschaftliche Studien besagen, dass die Arktis bis 2050 um 75% weniger Eis als heute haben wird.

Arved & Crew - Copyright Arved Fuchs Expeditionen
Die Ostküste Grönlands war in diesem Sommer nur schwer mit einem Segelschiff zu bereisen. Es scheint paradox, aber das umfangreich aufbrechende Eis des Nordpolarmeeres wurde von der Strömung entlang der grönländischen Küste nach Süden gedrängt. Die Verhältnisse waren daher gerade an der grönländischen Ostküste in diesem Sommer besonders schwierig. Zu gefährlich wäre ein Navigieren nördlich des Punktes gewesen, wo die Boje ausgesetzt wurde. Mit dem Aussetzen der Boje auf der Scholle wurde dennoch das Hauptziel der diesjährigen Expedition vollbracht. Zuvor bereiste Fuchs den größten Fjord der Welt, den Scoresbysund, wo die „Dagmar Aaen“ den Winter 1997/98 verbracht hatte. Unzählige Eisberge säumten den Weg des Haikutters, bevor es entlang der Küste in Richtung
Norden ging.
In Hinblick auf die immer geringere Ausdehnung des polaren Meereises ist es nicht verwunderlich, dass diese Seewege immer mehr das Interesse der internationalen Schifffahrt wecken.
Wie zur Bestätigung des Engagement von Arved Fuchs, schrieb die “Nesawissimaja Gaseta” am gestrigen Freitag in einem Bericht über ein zweites Forum mit dem Titel “Arktis Territorium des Dialoges”: “Russlands Regierungschef Wladimir Putin will die Nordostpassage zu einem der wichtigsten Handelswege der Welt machen.” (Quelle: Ria Novosti )

Putin - via gcaptain.com
Neben dem Argument der kürzeren Verbindung zwischen Europa und Asien führt Putin auch den Aspekt der fehlenden Piraterie ins Feld und trifft damit wahrscheinlich den Nerv der Zeit. Schlussendlich muss sich die Nordostpassage für die Reeder rechnen, ein Aspekt den der ein oder andere Experte derzeit noch stark anzweifelt. Von Seiten der russischen Regierung ist man aber durchaus motiviert zur Wiederbelebung der Route beizutragen und einen beachtlichen Teil des Welthandels unter Kontrolle zu bringen vor der eigenen Haustür stattfinden zu lassen. Zu diesem Zwecke teilte Verkehrsminister Igor Lewitin im Rahmen der Konferenz mit, dass sich im russischen Haushalt für die nächsten 3 Jahre ein Posten über 20 Milliarden Rubel für neue Eisbrecher findet (3 x Diesel-Elektrisch / 3 x atombetrieben)(Quelle: Ria Novosti)
Neben den Interessen der Schifffahrt geht es in der Arktis aber vor allem um die dort vermuteten Rohstoffe. Das Circum-Arctic Ressource Appraisal besagt, dass sich ca. 13 % der noch nicht aufgespürten Ölvorräte der Welt in der Arktis befinden, außerdem rund 30% der noch unentdeckten Gasreservoirs.Putin zufolge wurde bereits jetzt die größte Bohrinsel der Welt in der Barentssee errichtet (Quelle Ria Novosti)
Parallel zur Veröffentlichung der neuen Messwerte aus der Arktis verkündete die Medienwelt einen Milliardendeal zwischen dem US-Energieriesen Exxon und dem russischen Ölkonzern Rosneft. Zusammen sollen die Lagerstätten in der arktischen Karasee erschlossen werden, 2015 sollen die Bohrungen beginnen, vermutet werden etwa 36 Milliarden Barrel Öl allein in der Karasee. In der gesamten Region liegen geschätzte 110 Milliarden Barrel Öl.

Arved Fuchs - Copyright Arved Fuchs Expeditionen
Arved Fuchs brach am 2. Juli vom Flensburger Museumshafen auf und kehrte nun Mitte September von der Ostgrönland-Expedition zurück. Seit 1977 unternimmt der Bad Bramstedter (geb. 26.04.1953) Expeditionen, wobei er den Atlantik im Segelboot überquerte (1981), Grönland mit einem Hundeschlitten durchquerte (1983), Kap Hoorn mit einem Faltboot umrundete (1984) und 1989 als erster Deutscher den Nordpol erreichte. Da er im gleichen Jahr die Antarktis durchquerte, war er der erste Mensch, der innerhalb eines Jahres beide Pole zu Fuß erreichte. Es folgten Touren mit dem Haikutter „Dagmar Aaen“ sowie die Nachempfindung der ShackletonReise mit einem originalgetreuen Nachbau der „James Caird“ im Jahr 2000. Zwei Jahre später durchquerte Fuchs die Nordostpassage und 2004 erneut die Nordwestpassage.
P.S. Die Bücher von Arved Fuchs begleiten mich schon seit frühester Jugend, mein Interesse an den Expedition dieses Mannes ist bis heute ungebrochen. Danke Herr Fuchs!