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Januar, 2010:

Die letzte deutsche Staatsyacht! Erichs Ostseeland – Teil 2

Zum 1. Teil des Artikels

Glaubt man den Berichten eines ehemaligen Offiziers der Volksmarine, der ausführlich im NVA-Forum (erschreckenderweise gibt es so etwas tatsächlich) über seine Zeit auf der Ostseeland berichtet, war der Aktionsradius der Yacht stark auf die Gewässer der DDR beschränkt. Es wird nur von einer einzigen Dienstreise nach Polen berichtet. Die nur etwa 70 Seetage im Jahr sind wohl darauf zurück zu führen, dass Erich kein großer Freund der Seefahrt war und stark zur Seekrankheit neigte. Den Rest der Zeit verbrachte die Yacht im Hafen von Rostock. Für die Ortskundigen, sie lag im Breitling.

Wie es sich für eine echte Stasi- … ähm Staatsyacht gehört, verfügte die Ostseeland über eine eigene Abhörzentrale. Man war also stets darüber Informiert, was Gäste der Yacht, wie z.b. Fidel Castro, so trieben. Zur Stammbesatzung gehörten etwa 25 Mann Crew und bis zu 16 Gäste bei Mehrtagesfahrten oder 35 bei Tagesfahrten. Genutzt wurde das Schiff zur Beobachtung von Flottenmanövern, sowie für Lustfahrten mit Staatsgästen bzw. Partei- und Staatsfunktionären. Im Kriegsfall wäre die Yacht zum Lazarettschiff umgebaut wurden.

Nach der „Außerdienststellung“/Wende wurde die Yacht  an einen Eigner verkauft, dessen Identität nicht so ganz klar ist. Fakt ist, sie wurde unter Maltesischer Flagge betrieben und in den Hafen von Kopenhagen verlegt. In selbigem lag sie dann bis zur Zwangsversteigerung am 1. Mai 1998. Als Mindestgebot wurden 26.000 DM aufgerufen – was den über die Jahre  aufgelaufenen Liegegebühren entsprach! Den Zuschlag erhielt ein türkischer Kaufmann mit Namen Senol Yegin für 313.000 DM. Sie wurde daraufhin nach Istanbul verlegt.  In der Folgezeit sollte die „Aniara“, wie sie damals hieß, einem 5 Millionen Mark teuren Refit unterzogen werden, um unter dem Label Blue-Marlin-Charter Ostalgie-Kreuzfahrten zu ermöglichen. Dieses Projekt scheiterte aber an finanziellen Schwierigkeiten. Wie weit dieses Projekt und das Refit zum Zeitpunkt des Scheiterns bereits vorangeschritten war, vermag ich nicht zu sagen. Die Bilder der „Falcon“, wie sie wohl heute heißt, sprechen aber nicht unbedingt für ein umfangreiches Refit.

Das letzte Mal tauchte die „letzte Deutsche Staatsyacht“ im Jahre 2005 in der öffentlichen Wahrnehmung auf, als sie über einen Hamburger Makler auf gebrauchtboote.de angeboten und für angeblich 700.000 Euro an einen Käufer aus Dubai verkauft wurde. Selbiger lies im Nachgang verlauten, dass ihn die Geschichte des Schiffs nicht interessiere und er sie umbauen werde.

… sowie es etwas neues gibt setze ich diesen Artikel fort!

Die Bilder wurde mir freundlicherweise von Jukka Koskimies zur Verfügung gestellt.

Die letzte deutsche Staatsyacht! Erichs Ostseeland!

(zur Melodie von die Partei)

Die Partei, die Partei, die hat eine Yacht!

Und Genossen es bleibe dabei;

Denn wer kämpft für das Recht,

Der braucht so eine Yacht.

Wer die Menschheit verteidigt,

der hat das Recht,

auf Luxus und Völlerei.

Wer von der Yacht spricht der

ist dumm oder schlecht.

So, gegen leninschen Geist,

wächst, in Wolgast geschweißt,

Die Partei – die Partei – die Yacht der Partei.

Hätte ich einen derartigen Text vor der „Wende“ verfasst, dann wäre das möglicherweise das Ende dieses Blogs gewesen. Aber wieso hätte man im Osten auch über Yachten bloggen sollen – diese bösen kapitalistische Protzkisten. Der Ostbürger war gleich und wenn er ein Boot hatte, dann eins aus dem Osten – am besten alle das Gleiche. Für Erich galt das natürlich nicht, denn als geborener Saarländer durfte er natürlich ein etwas größeres Schiff haben.

Die Recherche für diesen Artikel gestaltete sich etwas schwierig, es gibt zwar einige verfügbare Quellen, allerdings sind selbige streckenweise so von Widersprüchen und Ideologien durchtränkt, dass man ihnen kaum Glauben schenken kann. Ich bin also statistisch vorgegangen. Je häufiger ein Fakt erwähnt wurde, umso wahrscheinlicher erschien er mir. So blieb mir auch nix anderes übrig, als mich an den Fakten entlang zu hangeln und die Geschichten und Legenden, die sich um die „letzte deutsche Staatsyacht“ ranken, weitestgehend außen vor zu lassen.

Erichs Staatsyacht, die „Ostseeland“, war nichts, worauf ein guter Sozialist stolz war. Sie war fast sowas wie ein kleines Geheimnis. So wundert es nicht, dass es keinen Staatsakt, keine Medienberichte und noch nicht einmal eine Schiffstaufe gab, als die Yacht am 30. Juni 1971 zu Wasser gelassen wurde. Basierend auf den Plänen eines Minensuchbootes der Kondorklasse (MSR-lang), wurde sie bei der Peene-Werft in Wolgast gebaut. Der ursprüngliche Entwurf wurde zu Gunsten eines Sonnendecks um 5 Meter verlängert und misst nun stolze 61 m Länge, bei einer Breite von nur 8 m.

Aufgrund von zwei Dieselmotoren aus russischer Produktion (M40 von Bryansk), mit jeweils 2500 PS, erreichte die Ostseeland eine Reisegeschwindigkeit von 18 kn. Im Wesentlichen hat man sich bei der Ausrüstung der Yacht an Ostprodukte gehalten, bis auf Kleinteile waren nur die britische Schlingerdämpfungsanlage und die weiße Farbe aus westlicher Produktion. Immerhin 15 Millionen volkseigene DDR-Mark soll die Yacht seinerzeit gekostet haben.

… Fortsetzung im 2. Teil!

Yachtblick Jahresrückblick!

Dieser Artikel ist eigentlich vom 31.12.09. Durch einen Serverumzug musste ich ihn 2-mal veröffentlichen. Sorry!

Ich verkneife mir jetzt irgendwelche schwülstigen Kommentare über das abgelaufenen Jahr und darüber, dass der 31. Dezember ein guter Tag ist, um zurück zu schauen. Es war ein wirklich gutes Jahr, mein Yachtblick-Baby läuft gut, ich habe über dieses Projekt viele interessante Menschen kennen gelernt und freue mich darauf, diese Geschichte im nächsten Jahr weiter zu schreiben. Als Rückblick gehe ich noch mal die letzten Monate durch und stelle die Highlights zusammen:

Januar:

Der beste Artikel in diesem Monat war die Vorstellung einer US-Seite, auf der Bilder und Berichte eines Technik-Magazins vergangener Tage veröffentlicht werden. Es zeigt, wie sich die Ingenieure von damals die Zukunft vorgestellt haben – sehr unterhaltsam.

http://www.yachtblick.de/allgemein/die-zukunft-von-gestern-schon-heute/

Februar

Johannes hat im Februar einen Bericht über seine Begegnung mit “Arved Fuchs” geschrieben – auch ein kleines Highlight!


http://www.yachtblick.de/allgemein/mit-der-badewanne-uber-die-ostsee/

März

Mein Highlight im März ist die Vorstellung des Weltgrößten RIB’s – der Heaven 80! Mehr geht nicht!

http://www.yachtblick.de/motoryacht/heaven-80-the-worlds-largest-rib/

April

Im April war ich offensichtlich gerade sehr mit Uni-Prüfungen beschäftigt, dass einzige was mir hier nennenswert erscheint, ist der Beginn der “Darßer Ort Odyssee”.

http://www.yachtblick.de/allgemein/bis-wieder-einer-weint/

Mai

Im Mai war Christoph das erste mal auf Yachtblick zu sehen. Sein Videotagebuch vom Trainigslager in Schilksee war das erste dieser Art hier auf Yachtblick. Lustig zu sehen, dass man langsam besser wird was die Videos angeht =)

Juni

Bad Sex? Take a Sailor! Das ist definitiv der lustigste Artikel im Juni gewesen. Eine Studie hatte zu Tage gefördert, was uns allen schon längst klar war – wir sind die Besten im Bett!

http://www.yachtblick.de/allgemein/bad-sex-take-a-sailor/

Juli

Dieser Monat ist schwierig, hier gibt es mehrere Dinge, an die ich mich gern erinnere: Zum einen ist da unser Video vom Laser Match Race, welches ich recht unterhaltsam finde. Das Match Race war die erste Veranstaltung dieser Art, bei der ich Christoph begleitet habe. Danke Digger, dass du mich mitgenommen hast! Im Juni gab es auch den TV-Bericht im NDR über Christoph, den wir hier veröffentlicht haben. Unserem technischen Anspruch bin ich in diesem Monat mit dem Artikel “Wings vs. Sails” gerecht geworden.

August

Im August konnte ich mit Hilfe des Jahresberichts von Camper&Nicholson die Frage beantworten, wie viele Megayachten es auf der Welt so gibt. Für mich als Schiffbau-Student besonders interessant zu sehen, dass der Deutsche Schiffbau eine wesentliche Rolle in diesem Segment spielt.

http://www.yachtblick.de/megayachten/wie-viele-megayachten-gibt-es-auf-der-welt/

September

Dieser Monat wurde dominiert von “Der hässlichsten Yacht der Welt”, im nachhinein die wohl erfolgreichste Artikelserie die es auf Yachtblick bisher gab. Die Recherche hat wirklich Spaß gemacht und offensichtlich hatten auch meine Leser Spaß daran, Yachten mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

http://www.yachtblick.de/tag/hasslichste-yacht-der-welt/

Oktober

Im Oktober waren wir sehr viel unterwegs, den Anfang machte unser Absegel-Törn auf den ich später noch verlinken werde, dicht gefolgt von unserem Trip ins Allgäu, zur Internationalen Deutschen Meisterschaft der Laser Segler

Die Bilder und Berichte dazu findet ihr hier:

http://www.yachtblick.de/?s=IDM+2009

November

Auch wieder ein Monat mit gleich mehreren Artikeln, dich ich sehr gern mag. Wir hatten die Absegel-Filme, den “kleinsten Yachttester der Welt”, Johns Kritik an den Yachten des Jahres und die erste Kritik am Lüchtenborg Projekt. Nicht ohne Stolz kann ich sagen, dass ich das Projekt schon nicht mochte, bevor das Lügengerüst in sich zusammen gefallen ist.

Dezember

Das beste Projekt im Dezember ist die Atlantiküberquerung von Geoff Holt. Ich wünsche ihm, dass er heil an seinem Zielort ankommt. Etwas enttäuschend war die Teilnahme an der Weihnachtsverlosung – mochtet ihr das Geschenk nicht oder ist “Social Bookmarking” etwas derartig kompliziertes? Sagt mir woran es gelegen hat, die Besucherzahlen waren im Dezember echt in Ordnung.

Wir wünschen allen Lesern einen lustigen Jahreswechsel, begleitet von guten Freunden und kühlen Getränken. Die Pyromanen unter euch weise ich darauf hin, dass das Geld beim DGzRS besser aufgehoben ist und das ihr eure Hände im nächsten Jahr wieder zum Segeln braucht – seit also vorsichtig!

Ein erfolgreiches neues Jahrzehnt wünschen euch Tommy & Christoph.